Die Strafuntersuchung gegen Ex-Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz läuft auf Hochtouren. In Medienberichten wurde in diesem Zusammenhang immer wieder der Name des St.Galler Anwalts Eugen Mätzler genannt. Jetzt äussert sich Mätzler erstmals dazu und wehrt sich unter anderem gegen den Vorwurf, Teil eines dubiosen Beteiligungskonstrukts von Pierin Vincenz gewesen zu sein.

Eugen Mätzler, im Vorfeld zum Artikel in unserer Zeitung wollten Sie sich nicht äussern. Weshalb der Sinneswandel?

Vorweg: Einzelne Sachverhalte kann ich nicht kommentieren, ich unterstehe dem Anwalts- und Berufsgeheimnis. Dass meine Rolle im Zusammenhang mit den Turbulenzen um Raiffeisen angeschaut wird, verstehe ich sehr wohl. Ich bin der Auffassung, nichts Unrechtmässiges gemacht zu haben. Ihr Artikel beinhaltet aber viele Unrichtigkeiten, die ebendies suggerieren. Ich werde unsachlich angegriffen und bin betroffen. Da möchte ich auf einige Argumente, die nicht dem Berufsgeheimnis unterliegen, hinweisen.

Zwischen 2001 und 2017 ging die Lohnbuchhaltung der Raiffeisen über Ihren Tisch. Warum lagert ein Unternehmen diese Aufgabe aus?

Die Auszahlung von Lohnbestandteilen an Mitglieder der Geschäftsleitung über eine externe Stelle ist in grossen Firmen meines Wissens nicht unüblich. Ich vermag darin auch nichts Verwerfliches zu sehen. Es besteht ein legitimes Interesse einer Unternehmung daran, dass nicht Untergebene die Lohnbuchhaltung der Geschäftsleitung machen. Wesentlich ist aber nicht, wer die Lohnbuchhaltung macht, sondern dass diese einer ordentlichen Revision unterzogen wird. Dass dem so war, hat Raiffeisen ja bestätigt.

Der Verkauf der Firma Commtrain an die Aduno hat die Strafuntersuchungen gegen Pierin Vincenz mitausgelöst. Ihnen wurde in diesem Zusammenhang vorgehalten, bei diesem Deal seien 1,7 Millionen Franken über eines Ihrer Konto geflossen.

Von der Firma Commtrain und dem von Ihnen so genannten «Commtrain-Deal» weiss ich nur das, was in den Medien steht. Ebenso wenig weiss ich von den anderen Firmennamen, die in diesem Zusammenhang in den Medien herumgeboten werden.

Die Zürcher Staatsanwaltschaft, welche die Strafuntersuchung führt, hat nicht bei Ihnen angeklopft?

Nein, die Untersuchungsbehörde hat mich in dieser Sache weder vorgeladen noch befragt. Mir ist von keiner der untersuchenden Behörden je ein Vorwurf gemacht worden.

Ein weiterer Vorwurf lautet, sie hätten Beteiligungskonstrukte von Pierin Vincenz mitaufgebaut.

Diesen Vorwurf weise ich zurück. Derartige Konstrukte und Vehikel, wie sie in der Presse genannt wurden, kenne ich nicht.

Von 2007 bis 2015 waren Sie einziger Verwaltungsrat der Varaplan AG, der heutigen Vincenz Management AG. Ihr Zweck ist die Beteiligung an Gesellschaften.

Das trifft zu. So steht es im Handelsregister. Falsch ist, dass die Varaplan Teil eines Beteiligungskonstrukts gewesen sein soll, wie es geschrieben wurde. In der Varaplan sind nur Geschäfte abgewickelt worden, die keinerlei Anlass zu Beanstandungen geben.

Lange Jahre waren Sie Pierin Vincenz’ Vertrauensanwalt. Wie stehen Sie heute zu ihm? Haben Sie Kontakt zu ihm?

Ich habe ihn seit Ende 2017 nicht mehr gesehen. Mein Verhältnis zu ihm wird durch die Berichterstattung nicht beeinflusst.

Eine Berichterstattung, der Sie kritisch gegenüber stehen?

Ja, weil sie zu Vorverurteilungen führt. Vorliegend ist die Justiz intensiv dran. Lassen wir doch Strafbehörden und Gerichte ihre Arbeit machen. Danach ist immer noch genug Zeit, sich ein Urteil zu bilden.