Pnos
Langenthal: PNOS-Sitz im Stadtrat verwaist

Kein Jahr hielt die Partei National Orientierter Schweizer (PNOS) im Langenthaler Stadtrat. Ihr gewählter Vertreter Timotheus Winzenried wendet sich komplett von der Politik ab und tritt aus der rechtsradikalen Partei aus. Ob die PNOS rechtzeitig einen Nachfolger findet, ist vorerst offen.

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winzenried

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az Langenthaler Tagblatt

Julian Perrenoud

Das Bild der letzten Stadtratssitzungen war stets dasselbe: Der Stuhl vorne links im Saal in der Alten Mühle blieb leer. Timotheus Winzenried, einziger Stadtrat der Partei National Orientierter Schweizer (Pnos), hat nach nicht mal einem Jahr die Segel gestrichen.

Am 15. November schickte er der Stadtverwaltung einen Brief mit seiner Demission auf Ende Jahr. Mehr noch: Winzenried zieht sich ganz aus der Politik zurück, verlässt seine Partei und wird sich fortan seinem Beruf (chemische Produktion) und der Ausbildung widmen - er will studieren.

Gross war der Aufschrei, als der damals 21-jährige Winzenried am 26. Oktober 2008 mit 322 Stimmen in den Stadtrat gewählt wurde. Als Nachfolger von Tobias Hirschi. Damit sollte die rechtsradikale Pnos für weitere vier Jahre im Stadtrat verbleiben. Grosse Wahlchancen gaben dem politisch unerfahrenen Winzenried weder SP, EVP noch SVP, war er doch erst kurz zuvor aus dem Luzernischen zugezogen.

«Wahrscheinlich haben wir die Pnos zu wenig ernst genommen», hiess es unisono. Die Parteien isolierten ihn, das war klar. Stadtrat Rudolf Lanz (FDP) sagte: «Er wird einsam politisieren.»

Keiner ist da, der nachrutscht

Es kam, was sich abgezeichnete: Winzenried reichte in einem halben Jahr eine Interpellation für Prävention an Schulen ein und ein Postulat für längere Öffnungszeiten der Verwaltung. Seine Motion, in der er forderte, alle religiösen Bauten müssten vom Volk bewilligt werden, zog er frühzeitig zurück. Es herrschten zu viele Unklarheiten, sagte er.

Wahrscheinlich wusste Winzenried auch, dass seine Vorstösse von den Bürgerlichen, oder dann sicher vom linken Flügel abgeblockt werden. Auf der Website der Pnos Langenthal verkündete er denn auch: «Die nächsten Jahre werden zeigen, was ich schaffen und wo ich auch scheitern werde.» Schliesslich sei er Realist.

Winzenrieds Demission ist noch nicht offiziell. Auf Anfrage dieser Zeitung teilte Stadtschreiber Daniel Steiner mit, dass er die Pnos entsprechend informiert habe: Er setzte der Partei nach dem Wahl- und Abstimmungsreglement eine Frist von 14 Tagen.

Da Winzenried alleine auf der Liste kandidierte, ist niemand da, der nachrutscht. Bis in der zweiten Dezemberwoche muss die Pnos einen wählbaren Nachfolger nennen. Wenn dieser in Langenthal das passive Stimmrecht besitzt, muss ihn der Gemeinderat akzeptieren.

Ob die Pnos einen Nachfolger stellt, weiss der Vorsitzende Dominic Lüthard noch nicht: «Wir haben jemand, der infrage käme.» Doch finde er es komisch, wenn einer nachrutscht, der nicht vom Volk gewählt wurde. Einen Zerfall der Langenthaler Sektion sieht Lüthard nicht.

Dass von der Pnos in letzter Zeit nichts zu hören war, hänge damit zusammen, dass Winzenried im Vergleich zu seinem Vorgänger weniger polarisiere. Die Partei habe aber Anrecht auf einen Sitz im Stadtrat, das zeige der Wähleranteil von 2,5 Prozent, sagt Lüthard.

«Beides überforderte mich»

Stellt die Pnos keinen Kandidaten, fällt der Sitz an die Liste, die nach dem Wahlprotokoll der letzten Stadtratswahlen das höchste Restmandat erhalten hat. Konkret wäre das laut Berechnungen dieser Zeitung die SP. Eine Wende um 180 Grad: Der Sitz ginge also an den politischen Gegner.

Winzenried zog erst im Februar 2008 nach Langenthal. Als Ziel gab er bei seiner Stadtrats-Kandidatur an, Missstände aufzudecken und zu beheben. Konkrete Beispiele nannte er keine; viel beheben, gibt er jetzt zu, konnte er nicht. Das Parlament wird den Pnos-Politiker entsprechend wenig vermissen. Stadträte haben zwar an den Sitzungen keine Anwesenheitspflicht. Verändert hätte sich durch eine solche am Platz vorne links trotzdem kaum etwas

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