Die Sanierung des 1916 erbauten Stadttheaters soll unter der Regie der politischen Behörden rasch an die Hand genommen und auf die Auslagerung des Theaters in eine Stiftung vorerst verzichtet werden. Diesen Entscheid erwähnte der Gemeinderat in seiner Antwort auf eine Interpellation aus dem Stadtrat (wir berichteten). Seinen Entscheid begründet er in erster Linie mit zeitlichen Aspekten.

Die Notwendigkeit der Theatersanierung wird von keiner Seite bestritten; dennoch stösst das Vorgehen des Gemeinderates bei den Parteien teils auf Kritik. FDP-Präsident Rudolf Lanz spricht dabei zwei Aspekte an: So kritisiert er das Vorgehen des Gemeinderates. Nun werde eine eigene Lösung präsentiert, obwohl sich ein runder Tisch bereits für die Auslagerung in eine Stiftung ausgesprochen habe.

Lanz erwähnt ebenfalls den finanziellen Aspekt: Auch wenn sich die Lage der Stadt dank den onyx-Millionen verbessert habe, dürfe nicht plötzlich ein Projekt einfach vorgezogen werden. «Stattdessen sollte man alle Investitionsprojekte auflisten und Prioritäten setzen.» An der Sitzung der FDP/jll-Fraktion kündete Lanz eine Motion an, die er gemeinsam mit Hanspeter von Flüe (SP) an der nächsten Stadtratssitzung einreichen wird.

Darin werde der Gemeinderat aufgefordert, dem Stadtrat verschiedene Varianten zur Rechtsform des Stadttheaters zu unterbreiten, erläutert Lanz. Falls der Betrieb des Theaters später durch eine Stiftung erfolgen soll, müsse der Stiftungsrat bereits über das Sanierungsprojekt entscheiden können, argumentiert der FDP-Präsident. «Andernfalls wird er vor vollendete Tatsachen gestellt.»

«Andere Identifikation mit Institution»

«Uns geht es nicht darum, die Renovation zu verzögern», betont Hanspeter von Flüe. Bereits als Leiter des Theaters hatte er sich immer für dessen Sanierung eingesetzt. «Wir wollen bloss abklären, welche Rechtsform sinnvoll ist.» Für ihn böte die Gründung einer Stiftung die Möglichkeit, neben der Stadtkasse «zusätzliche finanzielle Quellen zu erschliessen». Zudem könnte eine solche Lösung auch der überregionalen Ausstrahlung des Theaters Rechnung tragen.

Gemeinden könnten sich als Stifter beteiligen und selbst Privatpersonen könnten als Kleinststifter eingebunden werden. «Dies bringt eine andere Identifikation mit der Institution, als wenn die Stadt die ganze Sanierung alleine übernimmt.» Nach langem Warten nun «unter dem Deckmantel der konjunkturellen Krise» auf eine Umsetzung zu drängen, ist für von Flüe ein falsches Signal gegen aussen.

Zudem hätte er angesichts der Tragweite des Entscheids erwartet, dass der Gemeinderat diesen dem Stadtrat zur Beratung vorlegen würde, anstatt ihn «praktisch als Mitteilung in einer Fussnote» zu kommunizieren. Während die Motion zum Stadttheater bei der FDP stillschweigend zur Kenntnis genommen wurde, hielt sich die Begeisterung der SP/GL-Fraktion laut von Flüe in Grenzen. «Wir sind mehrheitlich der Meinung, dass das Theater in Stadthoheit bleiben sollte», sagt denn auch SP-Präsidentin Nathalie Scheibli.

Auf die Gründung einer externen Stiftung sollte verzichtet werden, da man die Leitung des Stadttheaters nicht aus den Händen geben dürfe. Dementsprechend kann Scheibli den Entscheid des Gemeinderates unterstützen.

«Relativ heikle Geschichte»

Sofern bei einer Stiftungsgründung tatsächlich mit weiteren Verzögerungen gerechnet werden müsste, kann auch Pascal Dietrich die Haltung des Gemeinderates verstehen. Denn für ihn hat der zeitliche Faktor Priorität: «Man sollte endlich vorwärts machen.» Vom Entscheid der Stadtregierung wurde der jll-Präsident jedoch überrascht: «Wir haben erst aus der Presse davon erfahren.»

Für EVP-Präsident Daniel Steiner ist die Stiftungsidee indes «noch nicht gestorben. Denn aus strategischen Gründen muss geklärt werden, wie das Theater mittelfristig betrieben und finanziert werden soll.» Persönlich finde er es daher schade, dass Alternativen aus Zeitgründen nicht genauer geprüft würden. An der Sitzung der EVP/glp-Fraktion sei das Stadttheater jedoch kein Thema gewesen.

Noch keine Stellung zum Thema nehmen kann SVP-Präsident Roland Christen; die Sitzung der SVP-Fraktion war erst auf gestern Abend angesetzt. Erbenötige zuerst weitere Informationen, sagt Christen, da es sich bei diesem Thema um eine «relativ heikle Geschichte» handle. «Die SVP hat sich bisher für die Gründung einer Stiftung ausgesprochen», hält deren Präsident einzig fest. (mz/oaw/fhe)