Tinner-Prozess

Lange Anhörung der Tinners vor dem Bundesstrafgericht

Friedrich Tinner und seine Söhne Urs und Marco müssen sich wegen Zuwiderhandlung gegen das Kriegsmaterialgesetz verantworten.

Friedrich Tinner und seine Söhne Urs und Marco müssen sich wegen Zuwiderhandlung gegen das Kriegsmaterialgesetz verantworten.

Der Prozess gegen die Tinners hat am Morgen vor dem Bundesstrafgericht in Bellinzona mit einer langen Anhörung der Angeklagten begonnen. Friedrich Tinner und seine Söhne Urs und Marco müssen sich wegen Zuwiderhandlung gegen das Kriegsmaterialgesetz verantworten.

Die drei Angeklagten wurden zu Beginn des Prozesses von den drei Richtern lange über ihre beruflichen Tätigkeiten befragt. Auch mussten sie Auskunft über ihre finanzielle Situation geben.

Der 70-jährige Friedrich Tinner erzählte von seinen ersten Kontakten mit Abdul Qader Kahn, dem Vater der pakistanischen Atombombe. Ihm hat Vater Tinner über seine Firma im Kanton St. Gallen Elemente verkauft, die den Bau von Zentrifugen zur Urananreicherung ermöglichten.

Seine Söhne gaben an, in bescheidenen Verhältnissen zu leben. Mit Gelegenheitsjobs würden sie sich über Wasser halten. Urs Tinner sagte, er habe nach der Entlassung aus dem Gefängnis gesundheitliche Probleme bekommen. Geld verdiene er im Moment mit Unterhalts- und Reparaturarbeiten an Aquarien.

Im abgekürzten Verfahren

Der Prozess wird am Montagnachmittag fortgesetzt. Der Fall Tinner wird im sogenannten abgekürzten Verfahren abgewickelt. Die Beschuldigten gestehen den ihnen angelasteten Sachverhalt grundsätzlich ein. Sie haben sich im Gegenzug mit der Bundesanwaltschaft auf ein bestimmtes Strafmass geeinigt.

Das Bundesstrafgericht wird deshalb nur noch zu entscheiden haben, ob die Durchführung des abgekürzten Verfahrens überhaupt angebracht ist und falls ja, ob der Handel mit der Bundesanwaltschaft abgesegnet werden kann. Ein Beweisverfahren findet nicht mehr statt.

Gemäss dem massgeschneiderten Deal mit der Bundesanwaltschaft soll Friedrich Tinner und seinen Söhnen der Gang ins Gefängnis erspart bleiben. Laut der Anklage steht fest, dass ihre Zusammenarbeit mit US-Behörden dazu beigetragen hat, die Atomschmuggelaffäre aufzudecken.

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