9. Stadion

Landräte fordern ein Nachspiel

Finanzdebakel: Auch die Übertragung des Spiels Spanien-Schweden fand im 9. Stadion von Bubendorf vor fast leeren Rängen statt. Die rotgekleideten Zuschauerinnen auf dem Rasen sind keine zahlenden Gäste, sondern ein Teil der Streetdancerinnen des Vorprogramms.

Stadion Bubendorf

Finanzdebakel: Auch die Übertragung des Spiels Spanien-Schweden fand im 9. Stadion von Bubendorf vor fast leeren Rängen statt. Die rotgekleideten Zuschauerinnen auf dem Rasen sind keine zahlenden Gäste, sondern ein Teil der Streetdancerinnen des Vorprogramms.

Die Baselbieter Regierung wird für das Finanzdebakel des 9. Stadions scharf kritisiert. Die politischen Konsequenzen sind umstritten.

Andreas Maurer

«Ganz offensichtlich wird von allen Seiten versucht, so viel Gras wie möglich über diese unsägliche Geschichte wachsen zu lassen.» Mit diesen Worten reagiert SVP-Landrat Thomas de Courten auf einen Artikel der «Sonntag bz». Darin künden mehrere Ländräte der Finanzkommission an, dass das Finanzdebakel des 9. Stadions keine politischen Konsequenzen haben werde.

De Courten widerspricht: «Die Verantwortlichen werden noch zur Rechenschaft gezogen - auch in der Regierung.» Namen möchte er aber keine nennen. Zuerst wartet er den Bericht der Finanzkontrolle und der landrätlichen Finanzkommission ab. Diese prüfen die Schlussabrechnung der Regierung seit Anfang Jahr.

«Der Bericht ist längst überfällig. Es ist höchste Zeit, dass vorwärts gemacht wird», fordert de Courten. Er ist überzeugt, dass bei der Organisation des 9. Stadions gravierende Fehler gemacht wurden. Unter anderem moniert er, dass der Lotteriefonds eine Defizitgarantie gewährt hat, obwohl die Übernahme von Defiziten in der Verordnung über den Lotteriefonds explizit ausgeschlossen ist.

«Die Regierung hat hier ihre eigenen Leitplanken ausser Kraft gesetzt», kritisiert auch CVP-Fraktionssprecherin Elisabeth Schneider.

Das 9. Stadion hinterlässt ein Defizit von 4,3 Millionen Franken. Der Lotteriefonds übernimmt 1,2 Millionen Franken. Die Regierung konnte zudem einen anonymen Spender gewinnen, der weitere 1,5 Millionen in Aussicht stellte. Dieses Geld wird jedoch nur knapp zur Hälfte beansprucht: Weil das Budget des gesamten Euro-Projekts um 800 000 Franken unterschritten wurde, wird der namenlose Gönner um diesen Betrag entlastet.

Die Regierung habe sich ihm gegenüber rechtlich zu wenig abgesichert, vermutet CVP-Landrätin Schneider. «Der ganze Vorgang muss offen gelegt werden. Es kann nicht sein, dass nur der Steuerzahler am Schluss die Zeche zahlen muss», meint de Courten.

Die Forderung, dass die Regierung politische Konsequenzen tragen muss, hält Schneider aber für falsch. Das könne ja nur bedeuten, dass ein Regierungsrat zurücktrete oder das Defizit aus dem eigenen Sack bezahle, ergänzt sie. Sie bevorzugt politische Konsequenzen anderer Art: «Projekte dieser Dimension müssen künftig vor den Landrat.»

Dieser habe die Risiken unterschätzt, sagt sie selbstkritisch. «Wir hätten das lange vorher kritischer hinterfragen sollen. Das Parlament trägt mindestens dieselbe Schuld wie das Sportamt oder die Regierung», stimmt ihr Grünen-Landrat Jürg Wiedemann zu. Schneider spricht die Regierung aber keineswegs von Schuld frei: «Die Regierung hat ihre Finanzkompetenzen klar überschritten.»

Grünen-Landrat Klaus Kirchmayr diagnostiziert ein grundsätzliches Problem: «Der grösste Fehler war, dass man sich von der Euphorie anstecken liess - kombiniert mit dem Wunsch, im Baselbiet unbedingt die Eigenständigkeit zu betonen.» Auch er findet es aber falsch, nun einen Sündenbock zu suchen. Denn: «Es ist nicht möglich, dies gerecht zu machen. Und niemand kann sich wirklich von der Schuld frei sprechen. Es waren nur ganz wenige von Anfang an konsequent dagegen.»

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