Zu Beginn der Pressekonferenz war Guy Parmelin noch bemüht, so etwas wie Euphorie zu verbreiten. Der Sportminister verglich die Bewerbung für Olympische Winterspiele im Jahr 2026 mit einer «Pioniertat», er sprach von einer «grossen Chance, von der Sport, Wirtschaft und Gesellschaft profitieren könnten».

Einige kritische Fragen später stand auch der SVP-Bundesrat zu seiner Skepsis: Spezialisierte Wirtschaftsprüfer waren zum Schluss gekommen, die im Vorfeld von sportlichen Grossereignissen erwarteten Sponsoring-Einnahmen würden überschätzt, gab Parmelin zu. Das Defizit könnte somit doch bedeutend grösser ausfallen als erhofft.

Fünf Tage ist der Auftritt her, bei dem der Sportminister nicht eben glänzte. Wenige Minuten nach seiner Ankündigung, der Bundesrat wolle «Sion 2026» mit einer Milliarde Franken plus Sicherheitsdienstleistungen im Wert von weiteren 300 Millionen Franken unterstützen, fiel ihm seine eigene Partei in den Rücken. Die SVP teilte mit, der Entscheid sei zum heutigen Zeitpunkt völlig unverständlich. Denn: Die «Landesverteidigung geht vor». Opposition kommt auch von den Grünen und weiten Teilen der SP. Wie fundamental diese in National- und Ständerat sein dürfte, zeigte eine am Sonntag von der «SonntagsZeitung» veröffentlichte Umfrage. 43 von 80 Parlamentariern, die auf eine entsprechende Frage antworteten, sagen Nein zu den Olympiaplänen des Bundesrates. 21 Volksvertreter äusserten sich positiv, 16 wollten sich noch nicht festlegen.

Mehrheit gegen Olympia

Im 200-köpfigen Nationalrat verfügen die Fraktionen von SVP (68), SP (43) und Grünen (12) über eine satte Mehrheit von 123 Sitzen. Halten sie zusammen, können sie die Kandidatur locker bodigen. Doch selbst wenn dies nicht gelingen sollte, könnte die Schweizer Bewerbung schon weit vor der Vergabe durch das Internationale Olympische Komitee (IOC) im Herbst 2019 scheitern. Selbst unter den Olympia-Turbos nämlich ist die Ansicht weit verbreitet, die Bevölkerung müsse über solche hohen Ausgaben befinden können.

Auf sie hofft die vehemente Kandidatur-Gegnerin Silva Semadeni. Gleich zu Beginn der Herbstsession Ende November will die Bündner SP-Nationalrätin eine Motion einreichen, die vom Bundesrat verlangt, eine referendumsfähige Vorlage vorzulegen. «Überall, wo die Bevölkerung mitreden kann, spricht sie sich gegen Olympische Spiele aus», sagt sie. «Sie deshalb gar nicht mehr befragen zu wollen, ist eine Zwängerei sondergleichen.»

Semadeni, die Anfang Jahr an vorderster Front und erfolgreich gegen eine Bündner Kandidatur gekämpft hatte, will nicht akzeptieren, dass auf nationaler Ebene keine Volksabstimmung vorgesehen ist. Tatsächlich ist ein Urnengang einzig im Kanton Wallis gewiss. Das Stimmvolk entscheidet dort am 10. Juni 2018 über einen Kredit in der Höhe von 61,8 Millionen Franken.

Wahrscheinlich ist eine Abstimmung im Kanton Bern, eher unwahrscheinlich hingegen in den ebenfalls am Grossanlass beteiligten Kantonen Waadt und Freiburg. Eine Abstimmung mache auch aus Sicht des IOC Sinn, findet Semadeni und fragt: «Wieso sollte das IOC Spiele an ein Land vergeben, in welchem die Bevölkerung möglicherweise nicht hinter der Austragung steht?»

Die Zeit wird knapp

In der «SonntagsZeitung» warnte Hans Stöckli, Vizepräsident des Kandidaturkomitees, gestern vor einer Volksbefragung. Eine solche nämlich könnte wohl erst im Sommer 2019 stattfinden – «das wäre auch bei einem positiven Ausgang zu spät». Der Berner SP-Ständerat, grösster Olympia-Fan seiner Partei, betont, dass die Befürworter bei der Planung der Kandidatur von der heute geltenden Verfassung und Gesetzgebung ausgegangen seien, die kein Finanzreferendum und damit keinen obligatorischen Urnengang vorsieht. «Wenn nun die Spielregeln während des Spiels geändert werden, könnten wir die zeitlichen Vorgaben des IOC nicht mehr einhalten.» Stöcklis Parteikollegin Semadeni entgegnet: «Nur, weil die Zeit drängt, darf man die demokratische Mitsprache der Bevölkerung nicht aushebeln.»

Unterstützt wird die Bündnerin von der Genfer Nationalrätin Lisa Mazzone, die den Kampf der Grünen Partei gegen Olympia anführt. «Die Befürworter wollen die Kandidatur im Eiltempo durchpeitschen», kritisiert sie. «Doch die Tatsache, dass das Organisationskomitee und der Bundesrat ihre Arbeit nicht rechtzeitig erledigt haben, ist kein valables Argument, um eine Volksabstimmung zu umgehen.» Bei Entscheiden dieser Grössenordnung brauche es eine demokratische Abstützung – «und zwar unabhängig vom Terminplan des IOC».