Krankenversicherungen

Lästige Anrufer: So will die Politik Telefon-Vermittlern das Handwerk legen

Der Telefonterror hat sich bis heute nicht gelegt, weil sich nicht alle Versicherer an die Vorgaben halten.

Der Telefonterror hat sich bis heute nicht gelegt, weil sich nicht alle Versicherer an die Vorgaben halten.

Die Politik will Provision für den Verkauf einer Krankenversicherung beschränken. Dies entspricht dem Wunsch der Branche.

Wer kennt die lästigen Telefonanrufe nicht? Ein aggressiver Makler versucht, dem ahnungslosen Kunden die aktuelle Versicherung auszureden und ihm ein neues Modell aufzuschwatzen. Dass sich Kunden über diese Anrufe ärgern, ist längst bekannt.

Auch die Branche hat vor Jahren erkannt, dass Telefon-Marketing ihrem Ruf vor allem schadet. Also hat sie 2015 eine Vereinbarung verabschiedet, welche das Telefonmarketing in der Grundversicherung stark einschränken wollte.

Das Unterfangen ist missglückt. Der Telefonterror hat sich bis heute nicht gelegt, weil sich nicht alle Versicherer an die Vorgaben halten. Die Rede ist von «schwarzen Schafen», die weiterhin Kunden behelligen. Um die Telefonbelästigung weiter einzuschränken, unterstützen fast alle Krankenkassen eine gesetzliche Grundlage.

Nebst den sieben grössten Versicherer und den kleinen und mittleren Versicherer befürworten auch die beiden Verbände Santésuisse und Curafutura eine gesetzliche Grundlage: Der Bundesrat soll die Branchenlösung für allgemeingültig erklären und Fehlverhalten sanktionieren können.

Saftige Strafen

Seit gestern sind striktere Regeln für Makler so gut wie besiegelt. Mit 19:3 Stimmen bekräftigte nach dem Ständerat auch die nationalrätliche Gesundheitskommission, dass die Vermittlerprovisionen einen Deckel brauchen und Fehlverhalten bestraft werden soll. Offen bleibt nur, wie weit die Politik die Regeln auslegen will.

Der Ständerat schlägt Vorgaben nur im Bereich der Grundversicherung vor. Wesentlich ist dabei, was ein Makler an einer Beratung verdienen darf. Das sollen jedoch die Krankenkassen unter sich vereinbaren. Bisher legten die Versicherer die Obergrenze bei 150 Franken fest.

Neu werden 50 oder auch 70 Franken als sinnvoller erachtet, um den finanziellen Anreiz zu verringern. Zudem sollen Kaltakquisen per Telefon verboten und die Makler besser geschult werden. Geht es nach dem Parlament, würde der Bundesrat diese Vorschläge dann für allgemeingültig erklären. Wie stark das Bestreben der Branche ist, Fehlverhalten zu unterbinden, zeigt deren Unterstützung happiger Sanktionen von 100 000 bis 500 000 Franken.

Das Bestreben zeigt sich aber auch in einem anderen Punkt: Nicht nur die Grundversicherung soll reguliert werden, sondern auch die Zusatzversicherungen sollen neue Vorgaben erhalten. Das hat die Gesundheitskommission gestern auf Anraten der Branche so entschieden.

Problematische Schlupflöcher

Der Wettbewerb um privatversicherte Kunden hat ungesunde Ausmasse erreicht: Über 400 Millionen Franken haben die Krankenkassen 2017 in die Vermittlung von Zusatzversicherungen investiert. Das ist zehn Mal mehr, als was die Grundversicherungen aufgewendet haben – für einen deutlich kleineren Markt. Das Problem: Wer nicht mitmacht, verliert Kunden. So bleiben die Krankenkassen in einer Negativspirale stecken, die sich nur durch gemeinsame Regeln stoppen lässt.

Für SP-Nationalrätin Bea Heim (SO) ist entscheidend, dass die Regeln nicht nur für die Grund-, sondern auch für die Zusatzversicherung gelten: «Sonst bleiben wir auf halbem Weg stehen.» Denn der Kunde unterscheide nicht, ob ein Vermittler von Grund- oder Zusatzversicherungen anrufe. Zudem werden bei einem Anruf häufig gleich beide Versicherungen angeboten. Um den Anreiz für unliebsames Marketing auszumerzen, müssen Provisionen in beiden Bereichen gedeckelt werden.

Davon muss zunächst noch der Ständerat überzeugt werden.

Verwandtes Thema:

Autor

Anna Wanner

Anna Wanner

Meistgesehen

Artboard 1