Ertönt ein «Tütatü», streckt jedes Kind den Kopf. Ist es die Ambulanz? Ein Feuerwehrauto oder die Polizei, die es eilig hat? Für andere ist das sogenannte Wechselklanghorn jedoch vor allem ein Ärgernis. «In der Nacht genügt das Blaulicht», sagt der Genfer MCG-Nationalrat Roger Golay. Er spreche als ehemaliger Gendarm aus Erfahrung.

Golay empfindet die Sirenen im Vergleich mit anderen Ländern als zu laut – und nachts als Lärm: «Die Lärmbelastung durch vortrittsberechtigte Fahrzeuge nimmt im städtischen Gebiet ständig zu, insbesondere in der Umgebung von Spitälern. Diese Problematik kann nicht ignoriert werden», sagt der Genfer Nationalrat.

Der Bundesrat will dies auch nicht mehr länger tun. Er strebt eine Neuregelung an, wie aus der Antwort auf Golays Motion hervorgeht. Die Lärmbelastung durch das Wechselklanghorn soll in der Nacht gesenkt werden.

In der zweiten Hälfte dieses Jahres will der Bundesrat entsprechende Vorschläge in die Vernehmlassung schicken: «Der Bundesrat möchte die Verwendung von Blaulicht und Wechselklanghorn trennen und dadurch eine Verbesserung erreichen.» Kein Thema ist die Anpassung der technischen Anforderungen, damit die Fahrzeuge nicht umgerüstet werden müssen – das wäre nämlich teuer. In Frankreich beispielsweise sind die Einsatzwagen von Feuerwehr, Ambulanz und Polizei in der Nacht mit leiseren Sirenen unterwegs als tagsüber.

Bei einem Notfall gilt heute der Grundsatz, dass das Blaulicht zusammen mit dem Wechselklanghorn betätigt werden muss. Nur wenn beide Warnsignale eingeschaltet sind, hat das Einsatzfahrzeug ein besonderes Vortrittsrecht. Das gilt auch in der Nacht. Die Sirene darf zwar ausgeschaltet werden, aber nur, wenn der Fahrer nicht «wesentlich» von den Verkehrsregeln abweicht.

«Erste Minuten entscheidend»

Roland Portmann, Mediensprecher der Blaulichtorganisationen der Stadt Zürich, hält fest: «In der Praxis versuchen unsere Einsatzkräfte, wo verantwortbar, Rücksicht zu nehmen. Nachts um drei Uhr in einem ruhigen Quartier fahren wir auch mal ohne Horn.» Die Verantwortung liegt allerdings beim Fahrer – hier setzt denn auch Nationalrat Bernhard Guhl (BDP/AG) mit seiner Kritik an. Er findet eine Neuregelung unnötig.

Vor allem aber gehe es nicht an, dass Einsatzfahrzeuge wegen der Lärmbelastung leiser werden, die Verantwortung bei Unfällen aber bei den Fahrern bleibe. «Man kann schon sagen, wir schalten das Signal ab und halten an jeder Kreuzung an. Doch gerade bei Bränden sind die ersten Minuten matchentscheidend», sagt Guhl, der selbst in der Feuerwehr aktiv ist und sich politisch für deren Anliegen engagiert.

Guhl hat sich erst kürzlich erfolgreich dafür starkgemacht, dass Fahrzeuge von Blaulichtorganisationen mit zusätzlichen Warnlichtern und Schallgebern ausgerüstet werden dürfen. Diese Nachrüstungen seien nötig, weil die Autos immer besser gegen Schall von aussen isoliert seien und oft auch Radio gehört werde. «Ambulanzen sind vielleicht in Genf ein Lärmproblem, es gibt in Städten aber viel schlimmere Lärmemissionen», sagt Guhl.

Portmann stellt sich nicht grundsätzlich gegen Neuerungen. Seine Organisation werde die Vorschläge analysieren. Wichtig seien klare Regeln: «Beim Wechselklanghorn geht es nicht nur um den Schutz der anderen Verkehrsteilnehmer, sondern auch von unseren eigenen Mitarbeitenden, die Gefahren ausgesetzt sind. Sie müssen hör- und sichtbar sein.»