Friedensnobelpreis
Labor Spiez: «Wir werden heute auf den Nobelpreis anstossen»

Auch am Südufer des Thunersees wird der Friedensnobelpreis gefeiert. «Wir haben massgeblich zum Erfolg der Chemiewaffenkontrolleure beigetragen», freut sich Marc Cadisch, Chef des Labors Spiez.

Marc Fischer
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Marc Cadisch vom Labor Spiez freut sich für die OPCW

Marc Cadisch vom Labor Spiez freut sich für die OPCW

Keystone/Labor Spiez

Eigentlich geht der Friedensnobelpreis 2013 an die Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) in Den Haag, wie das zuständige Komitee heute bekannt gegeben hat. Ein kleiner Sieger ist aber auch das Labor Spiez am Thunersee. Es unterstütz die OPCW mit seinen Kampfstoffanalysen seit 15 Jahren. «Wir sind stolz, dass wir einen Beitrag leisten konnten, und werden heute sicher noch auf den Nobelpreis anstossen», sagt Labor-Chef Marc Cadisch gegenüber der «Nordwestschweiz».

Das Labor Spiez unterstützt die OPCW seit 15 Jahren im Kampf gegen chemische Massenvernichtungswaffen, wie sie die Mitgliedstaaten der Organisation der Vereinten Nationen (UNO) im Rahmen der 1997 in Kraft getretenen Chemiewaffenkonvention verlangt. «Dank unseren Analysen sind die Chemiewaffeninspektoren in Ländern wie Syrien überhaupt in der Lage, die Kontrollen durchzuführen», so Cadisch.

Der heutige Preis sei aber kein Syrien-Preis. «Die Chemiewaffenkonvention und die Arbeit des OPCW hat erreicht, dass seit des Inkrafttretens der Konvention das Arsenal der weltweit vorhandenen chemischen Kampfstoffen von ursprünglich 70‘000 Tonnen um 70 Prozent auf 21‘000 Tonnen reduziert werden konnte», sagt Cadisch.

In Spiez werden die chemikalischen Charakteristiken der Kampfstoffe analysiert. «Wie jeder Mensch einen eigenen Fingerabdruck hat, verfügt jeder Kampfstoff über ein eigenes Spektrum», so Cadisch. Das Labor Spiez hat zwei Drittel der Spektren analysiert und auf die Messgeräte geladen, mit denen die Kontrolleure der OPCW ihre Inspektionen durchführen. «Unsere Vision ist eine Welt ohne chemische Massenvernichtungswaffen», sagt der Labor-Chef.

Mit seinen Kollegen bei der OPCW in Den Haag hat der 51-jährige Pharmazeut, Chemiker und Betriebswirtschaftler heute noch keinen Kontakt gehabt. «In Den Haag hat man für Partys derzeit auch nicht gross Zeit», sagt Cadisch. Denn dort ist man mit einem Riesenauftrag beschäftig: Bis Mitte 2014 muss das OPCW sämtliche chemische Massenvernichtungswaffen in Syrien eliminieren.