Affäre Buttet

Kuss-Verbot im Bundeshaus: Kuriose Weisung an Sicherheitsleute im Bundeshaus gibt zu reden

Karin Keller-Sutter gratuliert dem neuen Bundespräsidenten Alain Berset – per Händedruck ohne Küsschen.

Karin Keller-Sutter gratuliert dem neuen Bundespräsidenten Alain Berset – per Händedruck ohne Küsschen.

Letzte Woche erhielt das Personal des Bundessicherheitsdienstes (BSD) an einem Rapport eine neue Weisung: Die Sicherheitsleute, sowohl Frauen wie Männer, wurden vom Vorgesetzten angewiesen, körperbetonte Begrüssungsarten wie die französische (Küsschen links, Küsschen rechts) im Bundeshaus zu unterlassen.

Einem Beobachter fiel es sofort auf am Mittwoch letzter Woche. Da wurde Alain Berset (SP) von der Bundesversammlung glänzend zum Bundespräsidenten 2018 gewählt, aber es fehlte etwas. Statt mit Küsschen links, Küsschen rechts erhielt Berset den Blumenstrauss von Ständeratspräsidentin Karin Keller-Sutter (FDP) mit distanziertem Händedruck ausgeliefert.

Nicht besser erging es dem Vize Ueli Maurer. Der Beobachter vermutete im Vorgang eine Ausgeburt der Affäre um Yannick Buttet, der Frauen zu nahe getreten sein soll.
Sollten im Bundeshaus nun puritanische Sitten im Umgang der Geschlechter Einzug gehalten haben?

Alltägliches Abküssen

So oder so: Ebenfalls letzte Woche erhielt das Personal des Bundessicherheitsdienstes (BSD) an einem Rapport eine neue Weisung, wie der «Nordwestschweiz» berichtet wurde. Die Sicherheitsleute, sowohl Frauen wie Männer, wurden vom Vorgesetzten angewiesen, körperbetonte Begrüssungsarten wie die französische (Küsschen links, Küsschen rechts) im Bundeshaus zu unterlassen. Solcherart Begrüssung, etwa zwischen Sicherheitspersonal und Parlamentsmitgliedern oder Verwaltungsangestellten, gehörte im Bundeshaus bisher zum alltäglichen Bild.

Aber das Personal, das die Eingänge zum Bundeshaus, zu den Ratssälen bewacht, ist nun angehalten, das Begrüssungs- oder Verabschiedungszeremoniell auf den züchtigen Händedruck oder rein verbalen Austausch zu beschränken: Der Abküss-Ukas.

Die Weisung, so wird vermutet, sei aus Sorge um den guten Ruf des Bundessicherheitsdienstes erlassen worden, der im Fedpol (Bundesamt für Polizei) im Departement von Simonetta Sommaruga (SP) angesiedelt ist. Man weiss ja nie, ob aus der französischen Begrüssungsmodalität ein Belästigungsfall werden könnte.

Frage, bereits letzte Woche, ans Fedpol: Gab es einen derartigen Ukas, und was wird damit bezweckt? Eine Fedpol-Sprecherin machte sich intern kundig und beschied: «Fake News». Eine Rückfrage im Bundeshaus ergab allerdings: Die Weisung habe es sehr wohl gegeben, erlassen an einem Morgenrapport in der zweiten Sessionswoche.

Eine Weisung also, so sensibel oder je nach Standpunkt so kurios, dass sie geheim bleiben muss? Die Leute vom Sicherheitsdienst im Fedpol würden ohnehin mit straffer Hand geführt, man gönne ihnen nicht viel, nicht mal einen anständigen Aufenthaltsraum, sagt eine Parlamentarierin. Überraschen würde sie gar nichts.

Erneute Nachfrage beim Fedpol: Halten Sie daran fest, dass es kein Abküss-Verbot gab? Fedpol-Sprecherin Lulzana Musliu sagt nach neuerlicher interner Abklärung, man finde keine Spur eines derartigen Ukas: «Weder die Leitung noch die Gruppenchefs haben eine solche Weisung mündlich oder schriftlich abgegeben.» Sie hält aber auch fest: «Für Fedpol ist es generell sehr wichtig, dass sich unsere Mitarbeitenden respektvoll und korrekt verhalten. Als Bundespolizei, welche für die Sicherheit der Parlamentarier und Besucher da ist, erwarten wir von unseren Mitarbeitenden zu jeder Zeit ein professionelles Auftreten.»

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