Herzogenbuchsee
Kurzarbeit für 100 Angestellte

Ausgerechnet vom Tag der Arbeit an führt die Fischer AG in Herzogenbuchsee/Oberönz für die Hälfte des Personals Kurzarbeit ein. Bereits im März wurden 13 Mitarbeitende entlassen.

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Kurzarbeit

Kurzarbeit

Berner Rundschau

Irmgard Bayard

«Ja, leider», bestätigt Daniel Schmid, Geschäfstführer der Fischer Gruppe Schweiz, mit Hauptsitz in Oberönz, die ab heute eingeführte Kurzarbeit. «Etwa die Hälfte des Personals ist betroffen», sagt er. Das seien rund 100 Leute, die ein oder zwei Tage in der Woche weniger lang arbeiten können. Bereits im März musste die Firma 13 Mitarbeitende entlassen.

Als Grund gibt Schmid «die wirtschaftlich angespannte Lage» an. Die Fischer AG stellt hauptsächlich Präzisionsspindeln her. Diese kommen in Hochgeschwindigkeits-Bearbeitungszentren und Schleifmaschinen zum Einsatz. «Als Zulieferer der Werkzeugmaschinenbranche spüren wir den weltweiten Einbruch beim Verkauf dieser Maschinen», so Schmid.

Die Genehmigung für die Kurzarbeit, die vom beco Berner Wirtschaft erteilt wurde, läuft bis Ende Oktober. «Wir gehen davon aus, dass die Lage bis Ende Jahr angespannt bleibt», so Schmid. Einen kleinen Lichtblick sieht er allerdings: «In Japan, einem wichtigen Markt für uns, zeigen sich kleine Anzeigen einer Kehrtwende.»

Bis vor kurzem Rekordergebnisse

Die Fischer Gruppe ist seit der Gründung im Jahr 1939 in diesem Segment tätig. «Bis Ende Oktober waren wir sogar auf Rekordkurs», sagt Schmid, der seit neun Jahren in der Firma und seit Januar Geschäftsführer ist. Im letzten Jahr erzielten die Grupp - sie hat Niederlassungen in den USA, Frankreich, Deutschland, China und Japan und beschäftigt insgesamt rund 400 Mitarbeitenden - einen Umsatz von 100 Millionen Franken, rund die Hälfte davon im Oberaargau. Als Familienunternehmen - Roland Fischer aus Herzogenbuchsee ist Alleininhaber -, gibt die Firma keine Gewinnzahlen bekannt. Aber: «Seit November zeigt die Spirale nur noch abwärts und wir kochen auf Sparflamme», sagt Daniel Schmid.

Schneeberger AG Lineartechnik in Roggwil

arbeitet weiterhin auf Sparflamme und mit Kurzarbeit. Dies bestätigt Geschäftsführer Detlev Häusler. «Diese Möglichkeit nutzen wir tatsächlich massiv», so Häusler, der von rund 40 Prozent Kurzarbeit spricht. Kurzarbeit sei aber nur ein Instrument, um einen kurzfristig tiefen Geschäftsbereich zu überbrücken. Aus diesem Grund müssen voraussichtlich Ende Mai nochmals Entlassungen vorgenommen werden. «Aber nicht 20, wie zu lesen war, sondern maximal fünf», betont der Häusler. Wie es in Zukunft mit dem Stellenabbau aussieht, kann er nicht sagen. (iba)

Lernende nicht betroffen

Das 70-Jahr-Jubiläum, das dieses Jahr ansteht, wird nicht gefeiert. «So oder so nicht, weil es ja kein rundes Jubiläum ist», wie Schmid bemerkt. «Wir sind aber zuversichtlich, dass es uns in fünf Jahren wieder besser geht und wir dann das 75-Jährige gebührend begehen können.»

Keinen Einfluss haben die Entlassungen und die Kurzarbeit auf die Lehrlinge. «Wir bilden in erster Linie Polymechaniker, aber auch Mechapraktiker, Konstrukteure und Kaufleute aus», erklärt Markus Friedli, bei der Fischer AG Leiter Berufsbildung. Aktuell seien es 19 Lernende, «das Ziel sind 20, also zehn Prozent aller Angstellten.» Die ausgeschriebenen Lehrstellen für August seien alle besetzt. «Ein Rückbau im Lehrlingswesen ist bei uns trotz der angespannten Situation kein Thema, im Gegenteil.» Auch Fachleute werden immer noch gesucht, wie Inserate auf der Firmenhomepage verraten und von Daniel Schmid bestätigt wird.