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Kurt Koch auf dem Sprung nach Rom

Die Indizien verdichten sich, dass Bischof Koch zum Kardinal befördert und nach Rom gerufen wird. Heute könnte der Papst die Berufung dem Bistum Basel mitteilen.

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Kurt Koch

Kurt Koch

Keystone

Erst war es ein Gerücht, jetzt ist es schon fast eine Nachricht: Bischof Kurt Koch dürfte demnächst nach Rom gerufen werden und die Nachfolge von Kardinal Kasper antreten (bz vom 17. Februar). Koch würde zum Kurienkardinal befördert und die Leitung des Einheitsrates übernehmen. Das Bistum Basel will den Ruf aus Rom zwar nicht bestätigen, dementiert jedoch auch nicht, schreibt die «Basler Zeitung» in einem Artikel. Darin heisst es auch, dass der Bistumssprecher für heute möglicherweise eine Mitteilung in Aussicht stellt. Würde Koch den deutschen Kurienkardinal Walter Kasper beerben, würde er selber in den Genuss der Kardinalswürde kommen.

Alois Schuler rechnet mit dem Ruf des Papstes. Der Chefredaktor von «Kirche heute», dem Pfarrblatt der Nordwestschweiz, sagt auf Anfrage: «Ich gehe davon aus, dass es so passieren wird, wie man jetzt vermutet.» Offiziell wisse er nichts, aber die Anzeichen würden darauf hindeuten.

Wichtige Stabsstelle

Laut Schuler wäre Koch der richtige Mann für die Aufgabe im Päpstlichen Rat zur Förderung der Einheit der Christen: «Koch ist aus tiefster Seele Theologe, in diesem Sinne ein Intellektueller. Dieses Amt wäre wesentlich besser auf ihn zugeschnitten als das Amt als Bischof, bei dem er mit hunderttausend kleinen Dingen zu tun hat.» Koch könne hervorragend zuhören, argumentieren, eine Diskussion leiten, Positionen klären, vermitteln und so weiter. «Ich habe den Eindruck, als Bischof ist er nur mässig glücklich.»

Verglichen mit der Privatwirtschaft wäre Koch jetzt der Leiter einer kleinen Filiale, und in Rom dann Leiter einer wichtigen Stabsstelle in der Geschäftsführung. «Er hätte dann nicht mehr so direkt eine Million Gläubige unter sich wie im Bistum Basel, sondern würde ‹nur› diese Kommission leiten, die jedoch sehr wichtig ist.»

Sollte Koch von Papst Benedikt XVI. nach Rom gerufen werden, müsste im Bistum Basel ein neuer Bischof gewählt werden. Die 18 Domherren würden zusammenkommen und die Kandidaten benennen. «Das kann jeder Priester des Bistums Basel sein, der etwa zwischen 45 und 60 Jahren alt ist«, schätzt Alois Schuler. Namen habe er sich noch nicht überlegt.

Progressives Bistum

Ein Bischofswechsel würde kaum zu einem grossen Richtungswechsel im Bistum Basel führen, sagt Schuler, denn auch der Neue müsste sich den Schranken bewegen, die von der Weltkirche her möglich seien. Und da habe Kurt Koch viel geleistet: «Das Bistum Basel ist wahrscheinlich weltweit das Bistum mit den meisten Frauen in Ämtern. Gemessen an dem, was von der Weltkirche her möglich ist, sind wir progressiv.» (bru)

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