Kunstschätze
Der braunen Raubkunst auf der Spur: Wie die Eidgenossenschaft ihre Bestände durchleuchtet

Eine Untersuchung zeigt: Die bundeseigenen Kunstschätze sind «sauber» – mit ganz wenigen Ausnahmen. Ein Werk ist Raubkunst und bei acht weiteren kann ein rechtswidriger Umstand nicht ausgeschlossen werden.

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(sva) Befindet sich Nazi-Raubkunst im Besitz der Eidgenossenschaft? Mit dieser Frage befasste sich das Bundesamt für Kultur nun schon zum zweiten Mal. Zum ersten Mal war dies erst im Jahr 1998 der Fall. Es war die Zeit, als die Rolle der Schweiz als internationale Drehscheibe für den Handel mit NS-Raubkunst zusehends thematisiert wurde.

Eine Expertengruppe durchleuchtete damals die Bestände der Eidgenossenschaft und prüfte, wie die zwischen 1933 und 1945 erworbenen Kulturgüter in Staatsbesitz gelangt waren. Die Häuser des Nationalmuseums gehören da ebenso dazu wie bundeseigene Sammlungen und Stiftungen.

Das Landesmuseum in Zürich.

Das Landesmuseum in Zürich.

Bild: Matthias Scharrer

Die Untersuchung kam zum Schluss, dass die Bundesbestände mehrheitlich «sauber» sind. Gravierende Problemfälle wurden keine entdeckt– namentlich keine Objekte, die aufgrund rechtswidriger Geschäfte gekauft wurden. Bei rund einem Dutzend Objekten konnte die genaue Herkunft nicht eruiert werden; zu lückenhaft war die Quellenlage. In der Zwischenzeit wurden bei fast allen der betroffenen Werke jedoch entsprechende Zweifel ausgeräumt.

Untersuchung umfassender als in den 1990er-Jahren

Dass das Bundesamt für Kultur seinen Raubkunstbericht neu aufgelegt hat, begründet es unter anderem mit dem grösseren Informationsschatz im Netz. Gleichzeitig wurden diesmal nicht nur Akquisitionen zwischen 1933 und 1945 untersucht, sondern auch Werke, die im betroffenen Zeitraum ihren Besitzer gewechselt haben oder deren Übertragungslisten lückenhaft sind. In der neuen Untersuchung wurden nun weit über 180'000 Objekte überprüft.

Das Resultat: Bei acht Werken kann ein rechtswidriger Umstand nicht ausgeschlossen werden. «Die vorhandenen Informationen weisen auf mögliche Zusammenhänge mit NS-Raubkunst hin», hält das Kulturamt fest. Dazu gehören zwei Werke von Ferdinand Hodler aus der bundeseigenen Gottfried-Keller-Stiftung. Bei ihnen ist nicht restlos geklärt, unter welchen Umständen sie in die Schweiz kamen.

Eine «eindeutig problematische Provenienz» fand sich nur noch bei der Kabinettsscheibe aus dem Landesmuseum. Ebenfalls in dessen Sammlung befand sich eine Neuenburger Silberschmiedearbeit aus dem 18. Jahrhundert, erworben 1937 bei einer sogenannten «Judenauktion» in Berlin. Damals wurde die Sammlung einer verstorbenen Kunstsammlerin versteigert, ohne dass den Erben der Erlös der Auktion ausgehändigt wurde. 2012 übergab das Landesmuseum das Trinkgefäss den Erben.

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Die bundeseigenen Kunstschätze sind «sauber»: Gravierende Problemfälle wurden keine entdeckt – mit ganz wenigen Ausnahmen.

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Dass das Bundesamt für Kultur seinen Raubkunstbericht neu aufgelegt hat, begründet es unter anderem mit dem grösseren Informationsschatz im Netz. Gleichzeitig wurden diesmal nicht nur Akquisitionen zwischen 1933 und 1945 untersucht, sondern auch Werke, die im betroffenen Zeitraum ihren Besitzer gewechselt haben oder deren Übertragungslisten lückenhaft sind. In der neuen Untersuchung wurden nun weit über 180000 Objekte überprüft.