Littering
Kuh Agnes aus Wallisellen stirbt wegen Abfallsünder: Kälbli und Bauer trauern auf Facebook

«Ich esse lieber Gras statt Müll» - so lautet eine Kampagne gegen Littering in der Landwirtschaft. Denn Abfall kann Tiere töten. So geschen in Wallisellen. Kuh Agnes stirbt, weil sie Plastik gefressen hatte. Der Fall löst nun grosse Betroffenheit aus – nach einem traurigen Facebook-Post.

Rafaela Roth und William Stern, watson.ch
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Kuh Agnes stirbt wegen Litterings
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Auf einer frisch gemähten Wiese die der Schwiegervater schon gesäubert hat findet Thomas auf Anhieb eine neue Red Bull Dose und eine vom Mäher zerschnittene PetDose
Es ist die zweite Kuh die den Rinderknechts wegen Litterings wegstirbt

Kuh Agnes stirbt wegen Litterings

Rafaela Roth, watson.ch

«Hallo, mein Name ist Lara. Mein Mami Agnes ist heute gestorben, weil jemand seinen Abfall nicht entsorgt hat.»

So beginnt ein Post, der auf Facebook gerade für Aufsehen sorgt – und für rote Köpfe bei den Betroffenen. Bei Lara handelt es sich um ein Kalb, Agnes war ihre Mutter. Vor einigen Wochen nahm Agnes beim Grasen einen Fremdkörper zu sich – vermutlich eine Glasscherbe oder Teile einer Aludose. Am Mittwoch ist die Kuh an den Folgen der inneren Verletzungen gestorben.

Thomas und Daniela Rinderknecht sind wütend. Das Ehepaar, das den Bauernhof Beef-Ranch Wallisellen führt, versteht nicht, wie man Abfall achtlos wegwerfen kann:

«Es kann einfach nicht sein, dass die Leute ihren Müll aus dem Auto auf die Weiden schmeissen. Denkt denn niemand an die Tiere?», sagt Thomas Rinderknecht.

Für die Rinderknechts ist es bereits die zweite Kuh, die ihnen wegen Litterings wegstirbt. «Die Leute denken einfach nur an sich», sagt Daniela, «irgendwer muss den ganzen Abfall ja auflesen, vermodern tut er nicht.»

Nur fünf Minuten streift Daniela durch das Heu, das die Kühe gerade fressen und wird prompt fündig: Ein halber Gummiball und der Plastikdeckel einer Feuerwerksrakete fischt sie aus dem Heu.

Die Rinderknechts müssen das Futter für ihre Tiere täglich vom Müll säubern. «Glücklicherweise hilft der Schwiegervater tatkräftig mit», sagt Daniela.

Das Ehepaar hat sich nun entschieden, das Schicksal des Rinds öffentlich zu machen, um auf die Gefahr von Abfällen für Nutztiere hinzuweisen.

Wie es scheint, zeitigt die Botschaft Wirkung – zumindest auf Facebook. Um die 10'000 Mal wurde der Post bereits geteilt. Der Tod der Kuh sorgt für grosse Betroffenheit unter den Usern.

Kälbchen Lara hat keine Mutter mehr, die ihm Milch geben könnte. Daniela und Thomas hoffen, dass sich eine andere Kuh des Kälbchens annimmt. «Das wäre der Idealfall. Wir warten erst mal ab», sagt Thomas. Sonst muss das Kälbchen von der Herde getrennt werden und einzeln betreut werden – oder es beginnt frühzeitig Gras und Heu zu fressen.

Seine Mutter wartet währenddessen neben dem Stall auf die Abholung durch die Tierkadaverstelle. Die 11-jährige Kuh hat einen mindestens dreiwöchigen Leidensweg mit erfolglosen Therapieversuchen hinter sich.

Lara habe gestern laut geweint, als die Mutter starb.

Informationskampagne des Schweizer Bauernverbands

Informationskampagne des Schweizer Bauernverbands

zvg

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