Kommentar
Kritik an Schweizer Coronapolitik nimmt zu – die nächsten Tage werden hektisch

Deutschland verschärft den Lockdown, in der Schweiz kritisieren Chefärzte die Coronapolitik. Das wird nicht ohne Folge bleiben.

Doris Kleck
Doris Kleck
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Eben erst hat der Bundesrat neue Massnahmen beschlossen, doch der Druck zu handeln ist immer noch gross.

Eben erst hat der Bundesrat neue Massnahmen beschlossen, doch der Druck zu handeln ist immer noch gross.

Keystone

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel und die Chefs der Bundesländer hatten alles darangesetzt, Weihnachten zu retten. Restaurants und Freizeiteinrichtungen sind schon seit November zu. Der Lockdown light hat nicht verfangen. Das Wachstum der Infektionsraten ist exponentiell. Deutschland wird deshalb stillgelegt. Der Tonfall, den die deutschen Politiker an der Medienkonferenz anschlugen, war dramatisch. Corona sei ausser Kontrolle, eine Katastrophe, Kliniken würden ächzen, Bergamo sei näher als gedacht. Als Schweizerin reibt man sich etwas verwundert die Augen. Im Durchschnitt der letzten sieben Tage verzeichnete Deutschland – gerechnet auf eine Million Einwohner – nur halb so viele Neuinfektionen wie die Schweiz.

Gewiss, Deutschland ist nicht die Schweiz. Die Befindlichkeiten in der Bevölkerung sind anders, die Politiker sind in dieser Krise seit jeher alarmistischer – doch das Virus ist dasselbe. Die deutsche Diskussion wird in den nächsten Tagen auch auf die Schweiz abfärben.

Hier fällt auf, dass die Kritik der Chefärzte an der Coronapolitik zunimmt. Diese Rufe werden Widerhall finden. Denn die oberste Prämisse der Schweizer Politik war stets: Eine Überlastung des Gesundheitswesens muss verhindert werden. Ob die Massnahmen, die der Bundesrat am letzten Freitag beschlossen hat, ausreichen, ist fraglich. Die nächsten Tage werden hektisch werden. Vorweihnachtsstress der anderen Art.

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