Ueli Maurer
«Kritik an der Schweiz ist ein Kompliment»

«Wenn wir vom Ausland kritisiert werden, sollten wir uns nicht ducken und entschuldigen», sagt Ueli Maurer. In der steuergünstigsten Gemeinde des Freiamts hatte der Bundesrat ein volksnahes Heimspiel.

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Ueli Maurer am 1. August in Oberwil-Lieli

Ueli Maurer am 1. August in Oberwil-Lieli

Aargauer Zeitung

Von Fabian Hägler

Oberwil-Lieli ist der perfekte Ort für einen Auftritt von Ueli Maurer am 1. August: Gemeindeammann Andreas Glarner ist ein linientreuer SVP-Mann und Fraktionspräsident der Volkspartei im Grossen Rat, der Steuerfuss ist mit 72 Prozent so tief wie nirgendwo sonst im Freiamt, und zum gemütlichen Brunch im neu überdachten Innenhof der Schulanlage Falter sind ansehnliche 320 Personen erschienen. Maurer selber gibt sich volksnah, als Bundesrat zum Anfassen. Er schüttelt unzählige Hände, posiert für Fotos und nimmt sich viel Zeit für Fragen und Gespräche mit den Besuchern.

«Ich habe heute sechs Auftritte an Bundesfeiern», sagt der SVP-Mann. Er sieht dieses Programm aber nicht als Belastung: «Ich bin gerne bei den Leuten und feiere mit ihnen den Geburtstag der Schweiz», erklärt Maurer. Nach einer kurzen Stärkung und der Nationalhymne (zwei Strophen, Ueli Maurer singt beide laut mit) schreitet der Bundesrat mit seinem Weibel zum Rednerpult. «Wir dürfen stolz sein auf unser Land», lautet eine seiner Kernaussagen. Noch heute fänden rund die Hälfte aller Volksabstimmungen weltweit in der Schweiz statt. «Wir haben eine andere Staatsauffassung als viele Länder, bei uns steht die Freiheit des Bürgers im Zentrum», sagt Maurer.

Der VBS-Chef zieht die Zuhörer bei seiner Ansprache in den Bann. Maurer redet aber nur zu Beginn kurz übers Militär, als er sein Pflaster auf der Stirn erklärt. «Ich war gestern auf dem Glaubenberg und habe bei einem Truppenbesuch das neue Scharfschützengewehr ausprobiert.» Durch den Rückschlag habe er sich leicht verletzt, «es ist aber alles geflickt, und ich bin schmerzfrei», beruhigt Maurer.

Applaus erntet Maurer, als er sagt: «Wir sollten stolz sein, wenn andere uns kritisieren. Das heisst nämlich, dass wir besser sind, dann sollten wir erst recht Gas geben und uns nicht ducken und entschuldigen.» Lacher und wieder Beifall gibt es, als Maurer zum Steuerstreit kommt. «Das Ausland lebt in der Wüste und ist neidisch auf die Steueroase Schweiz.» In keinem anderen Land der Welt könne das Volk über die Höhe der Steuern entscheiden, sagt Maurer. Und: «Ganz grundsätzlich ist es ein grosses Plus der Schweiz, dass die Bevölkerung bei uns immer das letzte Wort hat.»