Drogen
Kriminelle Gruppen mischen den Cannabis-Markt auf

Bisher war der Handel mit Cannabis praktisch ausschliesslich in Schweizer Hand. Weil sich der Marihuana-Preis in den letzten fünf Jahren mehr als verdreifacht hat, lockt das ausländische Banden an.

Benno Tuchschmid
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Konfiziertes Marihuana in Plastickbeuteln

Konfiziertes Marihuana in Plastickbeuteln

Keystone

Bewaffnetes Wachpersonal in Cannabis-Zucht-Anlagen; Banden, die Industrie-Hanffelder stürmen; Drohungen, Körperverletzungen, Entführungen: Die gemütlichen Zeiten im Schweizer Cannabis-Handel sind vorbei. «Die Situation ist beängstigend. Die Gewaltbereitschaft hat in den letzten Jahren enorm zugenommen. Wir haben es mit Mafia-ähnlichen Banden zu tun», sagt Michael Mosimann von der Schweiz Hanf Koordination, dem Branchenverband der Schweizer Hanffirmen.

Dazu passt auch der Fall eines Berner Hanfbauers, der im letzten Dezember auf seinem Industriehanffeld von einer ausländischen Bande beraubt wurde und einen Dieb erschoss. Auch die Bundeskriminalpolizei registriert Gewaltdelikte und die Zunahme von ausländischen Banden im Umfeld der Cannabis-Produktion. «Besonders aktiv sind Türken und Albaner und andere Personen aus den Balkanstaaten», sagt Roger Flury, Analytiker bei der Bundeskriminalpolizei.

Einst das Land des blühenden Hanfs

Lange Zeit war Cannabis im Schweizer Drogenhandel ein Spezialfall: Mehr oder weniger toleriert von der Polizei, wuchsen bis vor zehn Jahren auf Feldern und in Indoor-Plantagen riesige Mengen Cannabis - so viel, dass der Ernte-Überschuss zum Teil ins Ausland exportiert wurde. In Schweizer Städten florierte der Handel in den Hanfshops. Und: Der Cannabis-Handel war praktisch ausschliesslich in Schweizer Hand. Rechtlich befand sich das Geschäft mit der Droge im Schwebezustand: Viele rechneten mit einer baldigen Legalisierung. Doch 2004 schmetterte das Parlament diese endgültig ab, und die Polizei griff durch: Bereits Ende 2006 gab es in der ganzen Schweiz keine offenen Verkaufsstellen mehr und die grossen Hanfplantagen und Zuchtanlagen waren ausgehoben.

Nur: Die Schweizer blieben trotzdem ein Volk von Kiffern. 11,5 Prozent der Schweizer Männer rauchen regelmässig Cannabis, bei den Frauen sind es 5,1 Prozent. Und die bekommen ihr Gras immer noch, allerdings aus einer anderen Quelle: «Der Anbau ist in den Untergrund verschwunden und zu einer eigentlichen Industrie geworden», sagt Roger Flury. Die Konsequenz: «Für grosse High-Tech-Anlagen braucht es hohe Investitionen, die nur von gut organisierten Banden getätigt werden können», so Flury weiter. Die kriminellen Banden lockt auch der Preis: Dieser hat sich in den letzten fünf Jahren mehr als verdreifacht. Konsumenten bezahlen heute zwischen 20 und 25 Franken pro Gramm. «Durch den stark gestiegenen Preis ist die Cannabis-Produktion äusserst lukrativ. Und: Im Vergleich zu harten Drogen fällt die Bestrafung relativ gering aus», bestätigt Roger Flury.

Marihuana aus Albanien

Weil die Cannabis-Produzenten in den Untergrund auswichen, werden sie auch weniger erwischt. Die Zahl der Beschlagnahmungen von Cannabis ist zusammengebrochen. Dazu kommt, dass auch das Produktionsvolumen abnahm. «Früher musste die Polizei oft mit Lastwagen vorfahren, um die konfiszierte Ware abtransportieren zu können», sagt Roger Flury. 15 bis 20 Tonnen pro Jahr waren keine Seltenheit. Heute reicht zur Konfiszierung ein kleiner Lieferwagen (siehe Grafik).

Die stark gestiegenen Preise führen zu einem weiteren Phänomen: «Noch vor wenigen Jahren war gestrecktes Gras unvorstellbar. Heute finden sie Kraut mit Spuren von Bleisulfat oder Vogelsand», sagt Michael Mosimann. Weil das Cannabis-Produktionsvolumen in der Schweiz zurückging, reicht die Menge für den Markt nicht mehr aus. Die Bundeskriminalpolizei stellt fest, dass der Import von Cannabis-Produkten in die Schweiz zunimmt: insbesondere Haschisch aus Marokko und Marihuana aus Albanien.

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