Spitex-Leistungen
Kriesdicke Luft im Treppenhaus

Jetzt hat sich der Gemeinderat von Rohrbach definitiv von der Spitex Oberes Langetental verabschiedet: Er zeigt sich unbeeindruckt von einer Petition mit 845 Unterschriften und schliesst einen Vertrag mit den Spitex-Diensten Langenthal und Umgebung ab.

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Spitex-Mitarbeitende

Spitex-Mitarbeitende

Solothurner Zeitung

Jürg Rettenmund

In Rohrbach sind Spitex und Gemeinde unter einem Dach: Die Gemeindeverwaltung im ersten Stock des Gemeindehauses, der Stützpunkt der Spitex Rohrbach und Umgebung im dritten. Doch seit einiger Zeit ist die Luft dort im Treppenhaus kriesdick. Nach aussen sichtbar wird dies an einem grossen Transparent am Spitex-Stützpunkt: «Spitex und Umgebung sucht Rohrbach.»

Zur Farbe gegriffen haben die Spitex-Mitarbeitenden nach einem Brief des Rohrbacher Gemeinderates vom 22. April. Darin teilte dieser mit, Rohrbach werde seine Spitex-Leistungen vom nächsten Jahr an nicht bei der Spitex Oberes Langetental beziehen. Zu dieser hatte sich Rohrbach und Umgebung mit Huttwil, Eriswil-Wyssachen sowie Ursenbach-Oeschenbach zusammengeschlossen.

Kommentar: Bumerang Information

Jürg Rettenmund

Die Klientinnen und Klienten der Spitex sollten von der Fusion im oberen Langetental überhaupt nichts merken; diese sollte sich auf die Organisation im Hintergrund beschränken und diese fit für die Herausforderungen der Zukunft machen: Dieser an sich löbliche Grundsatz ist für die Promotoren der Fusion nun zum Bumerang geworden.
Zu lange haben sie den Fusionsprozess als Angelegenheit zwischen sich und den Gemeindebehörden betrachtet, die sie regelmässig und vollständig informiert haben wollen. An die Öffentlichkeit hingegen traten sie kaum, Anfragen dieser Zeitung wurden abwiegelnd beantwortet. Die neue Spitex erhielt dadurch kein Gesicht, die tiefgreifenden Probleme mit Rohrbach wurden unter den Teppich gekehrt.
Doch auch der Gemeinderat von Rohrbach agierte gegenüber der Bevölkerung bloss im Versteckten und trat erst jetzt an die Öffentlichkeit. Nun hat er eine Petition am Hals. Rein rechtlich kann er zwar auf seine Zuständigkeit pochen. Doch um die Einsicht, dass er von der Bevölkerung und damit auch von den Petitionären gewählt ist, wird er nicht herumkommen.
In der Spitex Oberes Langetental sind mit dem ersten Vorstand neue, bisher nicht involvierte Kräfte am Werk. Diese haben die Hand noch einmal nach Rohrbach ausgestreckt. Der Gemeinderat sollte sie nicht ausschlagen.
j.rettenmund@vsonline.ch

845 Unterschriften, 51 % aus Rohrbach

Seit dem 22. April sammelte die Spitex-Organisation Rohrbach und Umgebung Unterschriften für eine Petition. 845 Unterschriften zählte Sekretärin Barbara Hutzli bis am Mittwoch, davon 51 Prozent aus Rohrbach selbst.

Davon unbeeindruckt orientierte der Gemeinderat von Rohrbach am Mittwoch mit einem Flugblatt, wie er ab 2010 die Spitex-Versorgung sicherstellen will: Er schloss einen Anschlussvertrag mit den Spitex-Diensten Langenthal und Umgebung ab. Er weist darauf hin, dass er von Anfang an Vorbehalte gegen die Spitex-Fusion angemeldet habe.

Zu vieles sei gegenwärtig offen, zum Beispiel im Bezug auf ein geplantes Alterspflegeheim in Rohrbach oder den Finanz- und Lastenausgleich des Kantons ab 2012. Zudem seien die Vorgaben, aus denen die Spitex den Druck zum Zusammenschluss ableitet, bisher bloss vom kantonalen Spitex-Verband selbst definiert worden.

An der Nase herumgeführt

Auf Anfrage wurde Gemeindepräsident Peter Flückiger (Forum) noch deutlicher: «Unsere Vorbehalte wurden von Anfang an nicht ernst genommen; während zwei Jahren wurden wir nun an der Nase herumgeführt.» Durch die Garantie für die vier bestehenden Stützpunkte und die Arbeitsplätze der Mitarbeitenden entstehe über die vier bestehenden Organisationen einfach ein zusätzlicher Wasserkopf. Müsse einmal gespart werden, sei der Stützpunkt Rohrbach gefährdet.

Mit Langenthal hingegen sei eine sehr schlanke Lösung für das Kernangebot möglich, alle Spezialleistungen würden wie bisher von dort bezogen. Sigrun Kuhn, die Geschäftsführerin der Spitex Langenthal, ist überzeugt, dass ein Spitex-Stützpunkt für Rohrbach allein wirtschaftlich betrieben werden kann.

Gespräch verweigert

Die Spitex-Organisation Oberes Langetental reagierte mit einer Medienorientierung noch am Mittwochabend. Sie weist den Vorwurf der Gesprächsverweigerung an Rohrbach zurück: «Wir haben die Gemeinden regelmässig und umfassend informiert», erklärte Präsidentin Brigitte Loosli. «Sämtliche Angebote für eine Aussprache und Vermittlung wurden jedoch ausgeschlagen.»

Die kantonale Gesundheits- und Fürsorgedirektion habe klar gemacht, dass sie die Vorgaben des Spitex-Verbandes für die Planung des Kantons übernehmen wolle. Ein Stützpunkt für Rohrbach allein rechne sich nie, das Verhalten von Langenthal sei deshalb «unakzeptabel». Enttäuscht zeigte sich Fritz Scheidegger, Präsident der Spitex Rohrbach und Umgebung, dass der Gemeinderat von Rohrbach die Unterschriftensammlung einfach ignoriere.

In die gleiche Kerbe schlägt Brigitte Loosli: Der Vorstand der Spitex Oberes Langetental sei gegenüber der Projektorganisation für die Fusion vollständig neu zusammengesetzt. Er habe beschlossen, nochmals das Gespräch mit Rohrbach zu suchen. «Mit seinem Entscheid hat uns der Gemeinderat diese Chance noch von anfang an verwehrt.»

Der Gemeinderat verweist darauf, dass er selbst abschliessend zuständig ist, den Anschlussvertrages abzuschliessen. Für direkte Informationen verweist er auf die Gemeindeversammlung vom nächsten Montag (20 Uhr im Singsaal des Schulhauses).