Germanwings-Absturz
Kranker Co-Pilot: Sollen Ärzte von Schweigepflicht entbunden werden?

Hinweise auf schwere Erkrankungen des Co-Piloten erhöhen den Druck auf die Behörden. Ärzte sollen kranke Piloten dem Arbeitgeber melden können und so die Schweigepflicht umgehen.

Andreas Schaffner
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Co-Pilot Andreas L.

Co-Pilot Andreas L.

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Noch ist nicht mit letzter Sicherheit geklärt, wie es zum Absturz des Germanwings-Airbus A320 kam. Ob der Co-Pilot des Flugs 4U 9525 der deutschen Lufthansa-Tochter tatsächlich alleine für den Tod von 150 Menschen in den französischen Alpen verantwortlich war. Auch am sechsten Tag nach dem Absturz wurde am Sonntag nach dem zweiten Flugschreiber gesucht, von dem man sich entscheidende Hinweise erwartet.

Französische Ermittler untersuchen auch die Möglichkeit eines technischen Defekts: «Derzeit kann die Hypothese eines technischen Fehlers nicht ausgeschlossen werden», sagte der Chef der in Düsseldorf eingesetzten französischen Ermittler, Jean-Pierre Michel, dem französischen Sender BFMTV.

Am plausibelsten erscheint die These, dass der Co-Pilot das Flugzeug absichtlich abstürzen liess. Der Mann hatte nach Erkenntnissen der Ermittler eine Erkrankung vor seinem Arbeitgeber verheimlicht. Die Polizeibeamten entdeckten in der Wohnung des 27-Jährigen zerrissene, aktuelle und auch den Tattag umfassende «Krankschreibungen». In deutschen Sonntagszeitung wurde am Sonntag über eine psychische Erkrankung, aber auch über eine mögliche Augenerkrankung spekuliert.

Inzwischen wird nicht nur gefordert, dass bei Flügen künftig das «Vieraugen-Prinzip» gilt, wonach sich immer zwei Personen in einem Cockpit befinden müssen. Es wird auch diskutiert, ob nicht die Ärzte bei einem schweren Verdacht von ihrer Schweigepflicht entbunden werden können. «Das Bundesgesetz über die Zivilluftfahrt enthält im Unterschied zum Strassenverkehrsgesetz kein explizites Melderecht des Arztes», sagt dazu Jürg Schlup, Präsident der Schweizer Ärzteverbindung FMH in der «Sonntagszeitung». Er fordert, dass dies in Ausnahmefällen bei Piloten geregelt werden kann. Etwa wenn eine unmittelbare, nicht anders abwendbare Gefahr drohe. Gemäss Urs Holderegger, Sprecher des Bundesamts für Zivilluftfahrt (Bazl), ist derzeit noch nichts geplant: «Man wird prüfen müssen, ob es allenfalls Handlungsbedarf gibt.»

Im Kölner Dom soll am 17. April mit einem offiziellen Trauerakt der Opfer des Absturzes gedacht werden. Am Anlass werden der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck, Bundeskanzlerin Angela Merkel und die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft teilnehmen. Erwartet werden auch Vertreter aus Frankreich, Spanien und anderen Ländern, aus denen die Opfer der Flugkatastrophe stammten.