2012 und 2014 waren die Prämien im Mittel um 2,2 Prozent erhöht worden, 2013 nur um 1,5 Prozent. Allerdings waren die Prämien in der Vergangenheit auch schon um mehr als 9 Prozent nach oben geschossen.

Die Prämienerhöhung 2015 bewege sich "im Rahmen des langjährigen Mittels von 4,5 Prozent", heisst es im Communiqué von santésuisse. Abweichungen seien möglich, da jeder Krankenversicherer seine eigene Prämienberechnung vornimmt.

Wie viel einzelne Versicherte im nächsten Jahr effektiv mehr bezahlen müssen, ist aber offen: Der Dachverband könne zu diesem Zeitpunkt noch keine Aussagen zu der Entwicklung der Prämien pro Kanton, Versicherung oder Bevölkerungsgruppe machen, sagte santésuisse-Sprecher Paul Rhyn am Samstag der Nachrichtenagentur sda. In den letzten Jahren stiegen vor allem die Prämien für junge Erwachsene besonders stark an.

Mehr ambulante Behandlungen

Santésuisse erklärt den Anstieg von 4,5 Prozent vor allem mit der intensiveren Nutzung von ambulanten Leistungen in Spitälern und Arztpraxen. Ein zweiter Grund sei die seit 2012 geltende neue Spitalfinanzierung.

Die grundlegenden Treiber sind laut Rhyn aber die mit dem medizinischen Fortschritt verbundene Kostensteigerung sowie die Alterung der Bevölkerung. Gemäss santésuisse entsprechen die 4,5 Prozent der durchschnittlichen jährlichen Prämiensteigerung seit 1996.

Die Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW) schätzt die Kostensteigerung für nächstes Jahr auf 4,2 Prozent. Die Krankenversicherungen müssten zusätzlich noch Reserven bilden, erklärte Rhyn den Unterschied zur Prämieneinschätzung.

"Bei den individuellen Prämien für die Versicherten wird es grosse Unterschiede geben", sagte der Berner Gesundheitsexperte Heinz Locher auf Anfrage der sda. Locher erklärt dies mit den unterschiedlich hohen Reserven der Versicherer: Einige Krankenkassen hätten mehr Spielraum als andere, um den Kostenanstieg zu dämpfen.

Als Hauptursache für den Prämienanstieg sieht Heinz Locher wie santésuisse die steigenden Gesundheitskosten.

Es gebe aber auch andere Effekte: Immer mehr medizinische Probleme würden ambulant - ohne Spitalaufenthalt - statt stationär behandelt. Dies sei zwar günstiger. Allerdings müssten die Versicherungen sämtliche ambulante Kosten übernehmen, während sie bei den stationären Behandlungen weniger als die Hälfte bezahlten. Folglich stiegen die Prämien trotz sinkenden Gesundheitskosten.

Baldige Abstimmung

Die Prämienrunde 2015 ist politisch besonders brisant, da am 28. September über die Volksinitiative "für eine öffentliche Krankenkasse" abgestimmt wird. Diese verlangt, dass die obligatorische Grundversicherung in Zukunft von einer einzigen Krankenkasse angeboten wird, einer öffentlich-rechtlichen Einrichtung mit kantonal einheitlichen Prämien.

Die Befürworter der Initiative versprechen sich davon auch sinkende Prämien; die Gegner hingegen warnen vor steigenden Kosten.