Krankenkassen

Krankenkassen im Ländervergleich: Wer hat das beste System?

Andere Länder, andere Kosten für die Versicherten.

Andere Länder, andere Kosten für die Versicherten.

Je nach Staat bezahlen die Bürger unterschiedlich hohe Abgaben, Steuern oder Prämien, um gegen Krankheit versichert zu sein. So gehen nicht nur die Kosten auseinander, es erhalten auch nicht alle Versicherten dieselben Leistungen. Ein Vergleich.

Die Schweiz gehört in fast allen Bereichen des Gesundheitswesens zu den Spitzenreitern. Nirgendwo arbeiten so viele Pfleger; auch Ärzte gibt es hier überdurchschnittlich viele. Das schlägt sich in den Kosten nieder. Gemäss Daten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) gibt ausser den Norwegern und Amerikanern keine Nation so viel Geld für Gesundheit aus wie die Schweizer. 2012 waren das 6080 Dollar pro Person.

Zum Vergleich: Im OECD-Länderschnitt zahlte eine einzelne Person im selben Jahr knapp die Hälfte (3484 Dollar). Allerdings leben die Schweizerinnen auch länger als Bewohner anderer Staaten. Ob das mit der teureren Gesundheitsversorgung zusammenhängt, lässt sich nicht abschliessend beantworten. Denn die Schweizer leben auch gesünder als andere: Sie rauchen weniger und haben seltener mit Übergewicht zu kämpfen als der OECD-Durchschnitt.

Schweizer zahlen vieles selber

Der Einzelne verursacht in der Schweiz nicht nur durchschnittlich mehr Gesundheitskosten als anderswo. Er bezahlt auch einen grösseren Teil der bezogenen Leistungen aus der eigenen Tasche. Über Prämien, Franchisen und Selbstbehalt berappt eine Person, die in der Schweiz lebt, rund ein Viertel der Gesundheitskosten selbst.

Unter den europäischen Staaten ist das der Spitzenbetrag. In Frankreich und Holland bezahlen die Bürger etwa sechs Prozent der bezogenen Leistungen. Allerdings müssen im Gegensatz zu den Europäern die Mexikaner, Israelis und Amerikaner für ihre Gesundheitsversorgung tief in die Tasche greifen: Sie zahlen fast die Hälfte der Leistungen selbst. Das wirft auch soziale Fragen auf: Können sich alle Personen eine medizinische Grundversorgung leisten?

In Frankreich, Italien oder Deutschland finanziert sich das System über Lohnabgaben und Steuern – im Unterschied zur Schweiz, wo das System über Prämien finanziert wird, die unabhängig vom Einkommen berechnet werden. Allerdings beansprucht hierzulande etwa ein Drittel der Bevölkerung Prämienverbilligungen.

Günstigere Medikamente

Welches System besser funktioniert, hängt vor allem von der Perspektive ab. Schweizer kennen die freie Arztwahl und einen ausgeprägten Spitalföderalismus. Das kostet. Der Bund hat im Gegensatz zu den oftmals untätigen Kantonen kaum Handhabe, um in das Gesundheitswesen einzugreifen und die Preise zu drücken. Einzig bei den Medikamentenpreisen hat der Bundesrat die Schraube angezogen, um rund 700 Millionen Franken zu sparen. Die wachsenden Ausgaben können so aber nicht gebremst werden: 2012 stiegen die Gesundheitskosten in einem Jahr um 3,4 auf 68 Milliarden Franken (plus 5,3 Prozent).

Je nach System entwickeln sich die Kosten unterschiedlich. Interessant ist Holland, das über einen verfeinerten Risikoausgleich verfügt, wie ihn das Parlament unlängst verabschiedet hat. Und Österreich, wo die medizinische Versorgung ähnlich funktioniert, wie es die Initianten der Einheitskrankenkasse vorsehen, mit regional abgestützten öffentlichen Kassen.

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