Krankenkassen
Kranke Kassen: KPT löst die Tochtergesellschaften Agilia und Publisana auf

Gemäss Bundesamt für Gesundheit erfüllen sieben Krankenversicherer die Mindestanforderungen für die Finanzpolster noch nicht. Die einstige Berner Beamtenkassen KPT löst deshalb die zwei Tochtergesellschaften Agilia und Publisana auf.

Roman Seiler
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Gemäss Bundesamt für Gesundheit erfüllen sieben Krankenversicherer die Mindestanforderungen für die Finanzpolster noch nicht.

Gemäss Bundesamt für Gesundheit erfüllen sieben Krankenversicherer die Mindestanforderungen für die Finanzpolster noch nicht.

Keystone

Die für die Kassenaufsicht zuständige Bundesamt für Gesundheit (BAG) orientierte heute, dass ab 2015 zwei Grundversicherer ihre Tätigkeit aufgeben werden. Neu gibt es dann noch 59 Anbieter.

Gemäss Informationen der„Nordwestschweiz“ sind das die Agilia und die Publisana. Ihre Versicherten werden von der Muttergesellschaft, der KPT übernommen, wie deren Chef Reto Egloff bestätigt: „Die Arbeitsplätze bei bleiben erhalten und die Standorte Malters und Brugg werden weitergeführt.“

Die beiden Kleinkassen wiesen massiv zu tiefe Finanzpolster aus (siehe Tabelle). Insgesamt erfüllen wie bereits vor einem Jahr sieben Krankenversicherer die Mindestanforderungen an die Reserven nicht. Dazu zählt neu die in Dübendorf (ZH) domizilierte Kolping (siehe Tabelle) Grundversicherten. Die Baselbieter EGK kommt hingegen mit der Sanierung gut voran und erreicht mit einer Punktlandung das Mindesterfordernis bei der sogenannten Solvenzquote von 100 Prozent.

Wer diese Kennzahl unterschreitet, muss die Finanzpolster verstärken. Das bedeutet für die Versicherten: Sie heben in der Regel ihre Prämien überdurchschnittlich an. Es wird also teurer.

Die Kennzahl findet sich in den sogenannten Aufsichtsdaten, welche das Bundesamt für Gesundheit (BAG) alljährlich zusammenstellt und ohne Ankündigung auf seiner Website versteckt. Die Solvenzquoten, ein Massstab für die finanzielle Sicherheit einer Kasse, sind auch auf dem Prämienrechner des Bundes priminfo.ch vermerkt.

Diese Solvenzquote wird mit einem Modell bestimmt, das die versicherungs- und anlagetechnischen Risiken jedes Anbieters individuell misst. Die Mindestanforderung muss bis Ende 2016 erreicht sein. Bis dann gilt die alte Vorschrift für die Berechnung der Reserven: Bei Grundversicherern mit mehr als 150000 Kunden belaufen sie sich auf zehn Prozent der Prämieneinnahmen. Wer weniger Versicherte hat, benötigt 15 Prozent. Kassen mit weniger als 50000 Versicherten gar 20 Prozent. Wer diese beiden Quoten unterschreitet, untersteht einer verstärkten Beobachtung des Bundesamts für Gesundheit (BAG), wie die Leiterin der Versicherungsaufsicht, Helga Portmann, bestätigt: «Wer die Reserveanforderungen klar nicht erfüllt, muss uns monatlich oder quartalsweise rapportieren. Diese Reserven dienen als Sicherheitspolster. Damit sollen beispielsweise die Kosten einer Grippe-Epidemie aufgefangen werden. Oder die Verluste einer Fehlkalkulation. Das passierte der damaligen Führungsequipe der EGK, die anfangs dieses Jahrzehnts wegen zu tief berechneten Prämien hohe Verluste erlitten hatte.

Jetzt ist die EGK kein Sanierungsfall mehr, wie die neuen Aufsichtsdaten zeigen. Dafür unterschreitet die Kolping mit 91 Prozent neu die Mindest-Solvenzquote. Sie ist mit 19200 Versicherten eher klein. Die beiden grössten Anbieter, welche die Mindest-Solvenzquote unterschreiten sind die beiden Helsana-Billgkassen Avanex und Sansan. Sie haben beide rund 200000 Grundversicherte. Die alte Reservequote hingegen erfüllen sie allerdings.

Gemäss den Aufsichtsdaten sind die Solvenzquoten ebenfalls bei grossen Krankenkassen stark geschrumpft. So wiesen die beiden Grundversicherer Easy Sana und Philos des Walliser Kassenkonglomerats Groupe Mutuel nur noch 100 respektive 104 Prozent aus. Mit 107 Prozent sind auch die Reserven der CSS nicht gerade üppig dotiert. Diese Grundversicherer haben bei der Prämienfestsetzung wenig Spielraum. Sind sie im nächsten Jahr nicht kostendeckend, fällt die Reservequote weiter. Daher dürfte sich deren Prämienanstieg mindestens im Rahmen des schweizweiten Durchschnitts bewegen. Ein Beispiel: Die Solvenzquote der KPT mit 388500 Versicherten fiel auf 2014 von 181 auf 101 Prozent. Obwohl sie im Verlauf dieses Jahres wieder angestiegen ist, schlägt die einstige Beamtenkasse auf 2015 nun im schweizweiten Durchschnitt um mehr als fünf Prozent auf.

Insgesamt sind im letzten Jahr die Reserven aller Versicherer auf anfangs 2014 um 142 Millionen auf 6,36 Milliarden Franken gesunken. Die Prämien in der Grundversicherung waren 2013 also nicht kostendeckend. Das dürfte auch für dieses Jahr gelten. Das ist mit ein Grund, warum die Prämien schweizweit nun im Schnitt auf vier Prozent ansteigen. In den letzten Jahren belief sich dieser für die Grundversicherung mit der Minimalfranchise von 300 Franken inklusive Unfalleinschluss auf 1,5 bis 2,2 Prozent.

Die Zahlen in der Übersicht: