Gesundheitskosten
Krampfadern und Mandeln werden bald nur noch ambulant operiert

Der Druck der Kantone zeigt Wirkung.

Balz Bruder
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Rund 70 Prozent aller chirurgischen Eingriffe könnten ohne Spitalaufenthalt mit Übernachtung durchgeführt werden.

Rund 70 Prozent aller chirurgischen Eingriffe könnten ohne Spitalaufenthalt mit Übernachtung durchgeführt werden.

Juri Junkov

Eine Studie des Beratungsunternehmens PwC operierte vor zwei Jahren mit vielen Nullen. Auf rund eine Milliarde Franken bezifferte es das jährliche Sparpotenzial bei konsequenter Verlagerung von stationären Behandlungen in den ambulanten Bereich. Hintergrund dieser Annahme: Rund 70 Prozent aller chirurgischen Eingriffe könnten ohne Spitalaufenthalt mit Übernachtung durchgeführt werden.

Der Haken an der Sache: An stationäre Eingriffe zahlen Kantone mindestens 55, Krankenversicherungen höchstens 45 Prozent, derweil ambulante Behandlungen voll zulasten der Kassen gehen. Zwar ist die Bundespolitik daran, den gordischen Knoten der uneinheitlichen Finanzierung zu lösen. Doch das kann dauern. Und dies, obwohl den Prämien- und Steuerzahlern angesichts der ungebremsten Kostenentwicklung das Geld durch die Finger rinnt.

Vorab die Kantone Luzern, Wallis, Zug und Zürich mochten dem Treiben jedoch nicht länger zusehen und stellten eigenmächtig Operationslisten auf mit Eingriffen, die in der Regel ambulant durchgeführt und damit von der Krankenversicherung übernommen werden. Das wiederum rief die Krankenkassen und den Bund auf den Plan.

Und siehe da: 2019 wird eine Änderung der Krankenpflege-Leistungsverordnung über das Primat von ambulant vor stationär in Kraft treten, entschied das Departement von Gesundheitsminister Berset. Allerdings ist die gestern publizierte Bundesliste – worauf unter anderem Operationen von Leisten, Mandeln oder Krampfadern figurieren – weniger umfangreich als jene der Kantone.