Kraftwerkbauer wird Holzhändler

Welche Auswirkungen hat das geplante Holz-Heizkraftwerk in Würenlingen auf die Umwelt? Was passiert mit den Rauchgasen? Wie hoch sind die Lärmemissionen? Antworten haben die Fachleute der Nordostschweizerischen Kraftwerke AG gegeben.

Merken
Drucken
Teilen
Werkhof

Werkhof

Aargauer Zeitung

Die Zahlen des geplanten Holz-Heizkraftwerks in Würenlingen sind eindrücklich: 100 000 Tonnen Brennstoff pro Jahr liefern Strom und Wärme für 20 000 Haushaltungen. Gerechnet wird mit Investitionen von 100 Mio. Franken. Verläuft alles planmässig, werden die Bauarbeiten gegen Ende Jahr beginnen. Im Frühling 2011 könnte die Anlage den Betrieb aufnehmen.

Am Donnerstagabend haben die Vertreter der Nordostschweizerischen Kraftwerke AG (NOK) das Vorhaben den rund 150 Zuhörerinnen und Zuhörern in Würenlingen präsentiert. Mit dem Holz-Heizkraftwerk werde die Versorgungssicherheit des Fernwärmenetzes erhöht und es werde ein weiterer Ausbau der Refuna ermöglicht, erklärte Valentin Gerig, Leiter neue Energien NOK. Auch werde elektrische Energie aus heimischen und erneuerbaren Rohstoffen produziert.

Lagerkapazität von 8000 Tonnen

Bauherrin des Holz-Heizkraftwerks ist die Tegra Betrieb AG, ein Unternehmen der NOK. Als Standort ist der südliche Teil des Werkhofs der Firma Granella vorgesehen. Erstellt werden eine Halle mit einer Lagerkapazität von rund 8000 Tonnen für die Holzaufbereitung und den Schnitzelbunker sowie ein Kesselhaus, ein Turbinengebäude mit Luftkondensatoren sowie ein Bürogebäude.

Rund 150 Meter lang ist das Holz-Heizkraftwerk, die Gebäudehöhen liegen zwischen 20 und 35 Metern. Das Areal sei ideal gelegen, weil sich sowohl die Eisenbahnlinie und die Kantonsstrasse als auch die Wärme- und Stromabnehmer in unmittelbarer Nähe befinden, hielt Valentin Gerig fest. Der Granella-Werkhof bleibt in Betrieb, muss aber umgestaltet werden.

Als Herzstück bezeichnete Gerig die Feuerungsanlage mit Dampfkessel. Die Schlacke wird mit einem Nassentschlacker ausgeschieden. Eine Reinigungsanlage befreit die Rauchgase von den Luftschadstoffen. «Der Feinstaub wird in einem Gewebefilter zurückgehalten und als Filterasche ausgeschieden», sagte Gerig. Die Konzentration der Luftschadstoffe werde im Kamin kontinuierlich gemessen. «Wir überwachen die Einhaltung der Emissionsgrenzwerte», betonte Gerig. Der Feinstaub war auch in der kurzen Diskussionsrunde ein Thema. Wegen der geschlossenen Gebäude, so führten die Fachleute aus, sei im Vergleich zu heute nur eine geringe Zunahme zu verzeichnen.

Per Bahn und Sattelschlepper

Pro Jahr werden rund 65 000 Tonnen Altholz sowie 15 000 Tonnen Grünschnitt als Hackschnitzel brennfertig angeliefert. 20 000 Tonnen Altholz werden vor Ort aufbereitet. Transportiert wird das Holz laut Gerig aus einer Distanz von 10 bis 150 Kilometern. Rund 20 Prozent kommen per Bahn, was einem Zug pro Woche entspricht. 80 Prozent werden per Sattelschlepper angeliefert. «Durch die Vermeidung von langen Holztransporten ins Ausland trägt das Holz-Heizkraftwerk zu einer Reduktion von CO2-Emissionen bei», meinte Gerig.

Beim heutigen Verkehrsaufkommen in Würenlingen - rund 4 Mio. Fahrzeuge pro Jahr - betrage das zusätzliche Verkehrsaufkommen mit dem Betrieb des Holz-Heizkraftwerks rund 1 Prozent Richtung Döttingen und weniger als 5 Prozent Richtung Baden/Brugg. Die Rede ist von etwa 14 600 Fahrten pro Jahr.

Unter 40 Dezibel am Tag

Die Anlage läuft im 24-Stunden-Betrieb. Es werde alles unternommen, um die Lärmemissionen tief zu halten, versprach Gerig. Ergriffen würden verschiedene Massnahmen: Anlieferung und Holzaufbereitung in geschlossener Halle; schallgedämpfte Lüftungsöffnungen bei den Gebäuden; langsam laufende Lutfkondensatoren. Die Immissionspegel sollen am Rand der Wohnzone - in einer Distanz von rund 550 Metern - am Tag unter 40 Dezibel und in der Nacht bei rund 30 Dezibel liegen.
Dass für den Betrieb genug Holz aus der Region vorhanden ist, davon zeigten sich die Vertreter der NOK auf entsprechende Fragen aus dem Publikum überzeugt. Laut CEO Manfred Thumann will die NOK ein Netzwerk aufbauen. Scherzhaft fügte er an: «Wir werden vom Kraftwerkbauer zum Holzhändler.»

Die Vision «Energiepark Unteres Aaretal» sei nicht neu, stellte Thumann in seinen Ausführungen fest und verwies auf die bestehenden Kernkraftwerke und Wasserkraftwerke. Die Herausforderung sei, die Stromlücke zu schliessen und dabei der Umweltverträglichkeit und Wirtschaftlichkeit grosse Beachtung zu schenken. Denn: «Energiepolitik ist Klimapolitik.» Auf das Thema Ersatzkernkraftwerk ging Stephan W. Döhler, Leiter Kernenergie NOK, ein. Letztes Jahr wurde das Rahmenbewilligungsgesuch für die Anlage - die über einen Hybrid-Kühlturm verfügen soll - eingereicht. «Ein Holz-Heizkraftwerk und ein Kernkraftwerk ergänzen sich in idealer Weise», meinte Döhler.

Fragen gestellt wurden vor allem zum Holz-Heizkraftwerk. Themen waren der Standort, das Grundwasser, der Wasserverbrauch, die Arbeitsplätze oder der Nutzungsgrad. «Dieses Vorhaben wird zu diskutieren geben», meinte der Würenlinger Gemeindeammann Arthur Schneider in seinem Schlusswort. «Ich bin gespannt auf die weitere Entwicklung.»