Peter Rombach

Bevor die Pumpaktion beginnt und das Wasser behutsam hereinfliesst, muss die Einlaufplatte, die bislang als Materiallager diente, blitzblank geräumt sein. Die letzten Lücken im riesigen Rechenfeld werden bis morgen geschlossen und Spannungstests unterzogen. Bleiben technische Probleme in den kommenden Tagen aus, sind bis Mai Spundwände und Dämme, welche die Baugrube sichern, herausgerissen und der komplette Einlaufbereich des neuen Kraftwerks ist für immer in den Fluten des Rheins verschwunden.

«Ein wichtiger Meilenstein», kommentiert Projektleiter Helmut Reif den historischen Augenblick, als er mit Medienvertretern auf der Betonplatte steht und seine Blicke über die schwarze, fast drohend wirkende Rechenanlage 28 Meter in die Höhe schweifen lässt. «Nun testen wir, ob alle Abschlussorgane dicht sind.» Nach der Flutung der Unterwassergrube Ende Januar durfte Reif – sehr erleichtert – bereits «alles in bester Ordnung» vorfinden.

Projektverantwortlicher Armin Fust ist überzeugt, dass die Spezialisten vom Bau Millimeterarbeit leisteten und der Einbau der nächsten Turbinen- und Generatorenteile mitsamt Laufrädern problemlos erfolgt und der Zweimonatsrhythmus bei der jeweiligen Inbetriebnahme eingehalten werden kann.

Der weitere Bauablauf sieht vor, im Mai die Rheineintiefung im Unterwasser abschliessen und im Juni mit zwei Maschineneinheiten die Stromproduktion aufnehmen zu können. Das wäre dann auch der Zeitpunkt, das alte Kraftwerk vom Netz zu nehmen.

«Die Dimension der Baugrube muss man nochmals erlebt haben», schwärmt Martin Steiger. Der Vorsitzende der Geschäftsleitung der Energiedienst Holding AG betrachtet den Flutungsbeginn im Oberwasserbereich als «etwas Einzigartiges». Er bestätigt, voll im Zeitplan zu liegen, und rechnet damit, dass Ende Jahr das komplette neue Kraftwerk mit vier Maschinen dann Strom erzeugt. Das Projekt liefere ein gutes Beispiel, wie die Nutzung von Energiequellen in Einklang mit der Natur gebracht werde.

Steiger bestätigt erneut, diesen Oktober mit dem Abbruch von Steg und altem Maschinenhaus zu beginnen und dann Anfang 2011 mit Umgebungsarbeiten und dem Bau des naturnahen Aufstieg- und Laichgewässers im Bereich des ehemaligen Oberwasserkanals zu starten. «Dieses wird über eine Länge von rund 900 Metern ein neuer Lebensraum für eine vielfältige Flora und Fauna geben.» Mit dem Bau eines Tunnels auf Schweizer Seite, der die Zufahrt zum Maschinenhaus auch künftig ermögliche, lasse sich der für die Ökologie wichtige Grüngürtel wieder herstellen, so Steiger. Die Energiedienst-Vertreter versicherten an der gestrigen Medienorientierung, die «bedeutende Industriegeschichte» des alten Kraftwerks zu dokumentieren und «Exponate der alten Anlage» auch der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.