Alpenfestung
Kostümshow ohne Geschichte

«Alpenfestung» – wie das Fernsehen die Kriegsjahre in der Schweiz beleuchtet. Gestern war «Einzug». Das Schweizer Fernsehen liess das «Leben im Réduit», das neuste Living-History-Projekt, beginnen.

Drucken
Alpenfestung

Alpenfestung

Zur Verfügung gestellt

Christoph Bopp

«Living History» - was bei Gotthelfs Zeiten und bei den Pfahlbauern durchaus funktioniert haben mag, beim aktuellen Projekt des Schweizer Fernsehens wirkt das Konzept rettungslos überstrapaziert. Die Mannen sind jetzt zwar im Stollen und die Frauen im Hof an stotziger Halde, aber der Atem der Geschichte war bei der ersten Folge gestern Abend nie zu spüren. Inszeniert wurde «die Zeitreise» zwar nach gewohnter Manier: Das Personal wurde eingekleidet und in die Örtlichkeiten eingewiesen. Kostümprobe wie bei der alljährlichen Schwankaufführung der Musikgesellschaft.

Was fehlte, wurde deutlich bei der dümmlichen Ansprache des Kommandanten an die Truppe. Jeder WK-erfahrene Wehrmann kennt die Situation, wenn der Kadi einfach etwas sagen muss, weil es jetzt losgeht. Die Gedanken schweifen ab, man denkt an den Tag der Entlassung. «Geschichte» würde aber bedeuten, dass die besondere Stimmung dieses Dienstes irgendwie herüberkommen müsste. Eine Vereidigung wäre vielleicht des Guten zu viel gewesen. Aber «Aktivdienst» hiess, dass es jetzt wirklich «ans Leben » gehen könnte.

Wo bleibt denn die Geschichte?

Eigentlich fängt es schon beim Namen an. Der Begriff «Alpenfestung » steht eben nicht für das Schweizer Réduit, sondern für die bayrisch-österreichischen Alpen, wo die Alliierten glaubten, dass Hitlers Horden ihren letzten Abwehrkampf führen würden. Aber die Kinder und die Alten hatte Hitler schon als «Volkssturm» den feindlichen Panzern entgegengestellt. Auch sonst wurde man gestern in Sachen «Geschichte» gnadenlos allein gelassen. Man erfuhr weder das Jahr, in dem die Aufführung spielt (immerhin dauerte der Zweite Weltkrieg fast sechs Jahre), noch etwas über die Gründe, warum sich die Schweizer Armee damals in die Bunker verkroch.

Der einzige Experte, der zwar auftreten, aber nicht zu Wort kommen durfte, war der Zeughäusler. Immerhin blieb so kein «Knöpfli» offen. So wird die grösste Herausforderung der Serie das korrekte Rollen des Kaputs bleiben und die grösste Gefährdung, dass die Soldaten von den «tannigen Kostümen» den «Wolf» kriegen. Und die Zuschauer werden gespannt mitfiebern, ob die Rösti einmal ohne verbrannte Kruste gerät.

Aktuelle Nachrichten