Weniger als einen Monat vor der Abstimmung zur Wehrpflicht-Initiative widerspricht der Freiburger Wirtschaftsprofessor Reiner Eichenberger den offiziellen Zahlen zu den Globalkosten der Armee.

Laut Eichenberger hat die Milizkommission des Verteidigungsdepartements die mit der Wehrpflicht verbundenen, volkswirtschaftlichen Produktivitätsverluste falsch kalkuliert.

In seinen Augen schätzt das Gremium insbesondere die (nicht durch den Erwerbsersatz gedeckten) Folgekosten der militärbedingten Arbeitsausfälle mit einer Milliarde Franken viel zu tief ein.

Die Kommission begeht laut Eichenberger einen entscheidenden Fehler: Sie nimmt in ihrem Bericht vom August 2012 den Durchschnittslohn eines Soldaten als Berechnungsgrundlage.

Der Haken dabei: Junge Soldaten sind in der Regel überdurschnittlich gut ausgebildet und verdienen dementsprechend mehr.

Studenten im Militär verdienen zwar noch nichts, aber sie verlieren oft bis zu einem Jahr ihrer Ausbildungszeit und damit auch ein Jahr ihres späteren Lohnes. Dieser liegt selbstredend noch einmal deutlich über dem Durchschnittsalär eines jungen Armeeangehörigen.

Daher orientiert sich Eichenberger in seiner eigenen Berechnung an der durchschnittlichen Pro-Kopf-Wertschöpfung in der Gesamtbevölkerung (76 Franken pro Stunde pro Kopf).

So gerechnet liegen die Wehrpflicht-bedingten, nicht durch den Erwerbsersatz gedeckten Produktionsverluste nicht bloss bei einer Milliarde, sondern bei rund 2,5 Milliarden Franken.

Zusammengezählt betragen die Globalkosten der Armee nach Eichenbergers Berechnungsmethode rund neun Milliarden Franken.

Ein deutlich tieferer Betrag resultiert aus der Kalkulation der Milizkommission - sie kommt lediglich auf 7,5 Milliarden.

In beiden Fällen sind neben dem ordentlichen Militärbudget von 4,4 Milliarden Franken beispielsweise auch die Kosten der Militärversicherung mit berücksichtigt.

Maurer: «Billige Attacke»

Bundespräsident Ueli Maurer reagierte verärgert, als ihn die Westschweizer Zeitung «24 Heures» kürzlich mit den Berechnungen Eichenbergers konfrontierte.

«Diese Zahlen sind falsch. Die Studie der Milizkommission wurde von unabhängigen Expertenbüros realisiert.»

Er glaube, der Professor wolle kurz vor der Abstimmung noch einmal eine «billige Attacke» gegen die Armee lancieren.

Eichenberger verhehlt auf Anfrage nicht, dass er ein glühender Befürworter einer Freiwilligenmiliz ist. Mit der Gruppe für eine Schweiz ohne Armee hat er aber nichts am Hut.