«Ich verliere nie: Entweder gewinne ich oder ich lerne.» Mit diesem Zitat Nelson Mandelas kommentierte Pierre Maudet vor einem Jahr seine Nicht-Wahl in den Bundesrat.

Mit einem beispiellosen Wahlkampf hatte sich der Genfer FDP-Regierungsrat auf einen Schlag auch in der Deutschschweiz bekannt gemacht. Er tourte durchs Land, gab Interviews, wickelte mit seiner eloquenten Art Kritiker und Journalisten um den Finger. Mit seiner Frau und den drei Töchtern besucht er das Unspunnen-Fest und liess den Ausflug medienwirksam von der «Schweizer Illustrierten» dokumentieren. Mit 90 Stimmen im zweiten Wahlgang erzielte er gegen den Favoriten Ignazio Cassis einen Achtungserfolg. Die in Bern besser vernetzte Waadtländer Nationalrätin Isabelle Moret liess er deutlich hinter sich.

Als 21-Jähriger im Parlament

Die Bundesratskandidatur war der Höhepunkt einer steilen Politkarriere. Maudet wurde mit 21 Jahren ins Genfer Stadtparlament gewählt. 2007 schaffte er den Sprung in die Stadtregierung. 2012 wurde der Jurist in die Genfer Kantonsregierung gewählt.

Doch nun könnte der Aufstieg des 40-Jährigen abrupt enden. Die Genfer Staatsanwaltschaft hat am Donnerstag angekündigt, dass sie gegen ihn ermitteln will. Im Fokus der Ermittler steht eine Reise im November 2015 in die Vereinigten Arabischen Emirate. Maudet hatte dort gemeinsam mit seiner Frau, den drei Kindern sowie sei- nem damaligen Stabschef ein Formel-1- Rennen besucht. Gemäss Maudets eigenen Aussagen habe er, zufällig und privat, den Kronprinzen und Transportminister der Emirate getroffen.

Wie das Westschweizer Fernsehen RTS berichtete, war der Flughafen Genf zum Zeitpunkt der Reise dabei, zwei Konzessionen für die Bodenabfertigung zu vergeben. Einen Zuschlag erhielt einige Monate später ein Unterneh- men mit Hauptsitz in den Emiraten. Die Firma wird zum Teil vom Transportministerium kontrolliert.

Reise nicht selbst finanziert

Die Staatsanwaltschaft wirft Maudet nun vor, der Kronprinz habe für die Flüge in der Business-Class und die Unterkunft bezahlt. Der Verdacht lautet auf Vorteilsnahme. Maudet hat zwar bereits offengelegt, dass er die Reise nicht selber finanziert habe. Bezahlt haben soll gemäss seiner Darstellung aber der Geschäftsmann Said Bustany. Der Aussage schenkt die Staatsanwaltschaft allerdings keinen Glauben.

Die Vorwürfe sind happig. Bestätigen sie sich, hat Maudet nicht nur gegen das Gesetz verstossen, sondern brandschwarz gelogen. Seine Integrität, Glaubwürdigkeit und damit auch die weitere Politkarriere stehen auf dem Spiel. Bereits stehen Rücktrittsforderungen im Raum.

Maudet ergreift nun die Flucht nach vorne. Er stimme der Aufhebung seiner Immunität als Regierungsrat zu, teilte er am Donnerstag mit, noch ehe das Parlament über diese Frage befinden konnte. Er wolle voll kooperieren und verlange rasch angehört zu werden.

Verlieren oder lernen? Dazugelernt hat Maudet bereits. Er räumte ein, dass es im Rückblick besser gewesen wäre, auf die Reise zu verzichten.