Nordkorea

Korea-Konflikt: Mittendrin stehen fünf Schweizer Offiziere

Nord- und Südkorea rüsten sich für einen Konflikt. «a-z.ch» erklärt, warum die beiden Nachbarn so erbitterte Gegner sind und weshalb fünf Schweizer Offiziere zwischen den Fronten stehen - und das erst noch ohne Waffen.

Bereits in seinen Gründungsjahren verkam die koreanische Halbinsel zum Spielball der Grossmächte dieser Welt. Zunächst brachte das Kaiserreich Japan die koreanische Halbinsel 1910 in seine Gewalt. Diese Kolonisation hielt 35 Jahre.

Durch die Niederlage der Japaner im Zweiten Weltkrieg verlor das Kaiserreich seine Vorherrschaft in Korea an die beiden Grossmächte USA und Sowjetunion. Die beiden Siegermächte entschieden denn auch ab der Friedenskonferenz von Jalta über die Zukunft des Landes. Sie beschlossen eine Grenzlinie zwischen dem Norden und dem Süden am 38. Breitengrad zu ziehen und besetzten die beiden Landesteile zwischen 1945 und 1948.

Endziel der Besatzer war die Wiedervereinigung von Korea. 1947 kamen aber beide Grossmächte zum Schluss, dass dieses Vorhaben nicht umzusetzen sei. Deshalb wurde der Fall Korea den Vereinten Nationen (UNO) übergeben. Die UNO ihrerseits wollte im ganzen Land demokratische Wahlen durchführen. Als dieser Plan scheiterte, beschränkten sich die Wahlen auf den Süden. Als dann der konservative Präsident Syngman Rhee das Präsidentenamt übernahm, rief er im August 1948 die Republik Korea aus.

Nordkorea drängt Stalin zur Invasion

Die Reaktion der Kommunisten auf die Unanbhängigkeitserklärung der Südkoreaner liess nicht lange auf sich warten. So liess der sowjetische Herrscher Stalin im Norden eine Diktatur unter KimIl-sung - dem Vater des heutigen Präsidenten Kim Jong Il - installieren. Da niemand mit dem Status Quo zufrieden war, strebten alle Beteiligten weiter die rasche Wiedervereinigung an - wenn nötig mit Gewalt. Aus diesem Grund bat der nordkoreanische Diktator Kim Il-sung 1949 seinen sowjetischen Verbündeten Stalin inständig darum, endlich mit seiner Streitmacht in Südkorea einmarschieren zu dürfen.

Davon wollte Stalin zunächst nichts wissen. Das nordkoreanische Militär war zu diesem Zeitpunkt nicht kriegstauglich - vor allem aber fürchtete Stalin die Einmischung der USA. Zudem konnte sich die Sowjetunion keinen bewaffneten Konflikt leisten, denn das Land musste sich erst einmal vom Zweiten Weltkrieg erholen. Die Folge: Das Führung in der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang beschränkte sich darauf, mit Hilfe der Sowjets militärisch aufzurüsten.

Unvorsichtiger US-Aussenminister ermöglicht Invasion

Die Gelegenheit zur Invasion bietet sich Stalin und Kim allerdings 1949. In diesem Jahr fällt China den Kommunisten in die Hände. Dies bringt Stalin zur Einschätzung, dass es die USA niemals wagen würden, sich in einen möglichen Korea-Krieg einzumischen. Ausserdem wurde Stalin durch eine unbedachte Äusserung des damaligen US-Aussenministers Dean Acheson in seiner Haltung bestärkt. Der US-Diplomat erklärte öffentlich, dass die Region von Japan bis zu den Philippinen vor dem Kommunismus verteidigt werde. Über Korea verlor der Aussenminister kein Wort.

Wenig später - im März 1950 - billigte Josef Stalin den Angriff auf Südkorea. Am 26. Juni 1950 überschritt die nordkoreanische Armee die Grenze. Kampfjets attackierten den von den USA gebauten Luftwaffenstützpunkt Gimpo und die Bodentruppen rückten in Windeseile vor. Dies zwang das südkoreanische Militär trotz Luftangriffen der US Air Force dazu, sich tief in den Süden zurückzuziehen (siehe Bildergalerie).

Die Hauptstadt Seoul fiel am 28. Juni, im September folgte beinahe das ganze Land. Nur mit Hilfe der USA konnte Südkorea um die Stadt Busan - im Südosten des Landes - eine Verteidigungslinie errichten.

UNO entsendet Friedenstruppen

Die USA verurteilten die Invasion scharf und trugen den Fall bis vor den UN-Sicherheitsrat. Das Gremium schickt eine Kampftruppe aus 16 Nationen auf die Halbinsel. Angeführt wurde die Truppe von US-General Douglas McArthur.

Die Entsendung der Truppen kam aber nur zu Stande, weil das mit Vetorecht ausgestattete Russland Sitzungen des UN-Sicherheitsrates seit fünf Monaten boykottierte. Grund des Boykotts: Das kommunistische China war zu diesem Zeitpunkt nicht Mitglied des Gremiums.

Im September landeten die UN-Truppen im September 1950 bei Incheon und fielen dem Feind in den Rücken. In Rekordzeit eroberte General McArthur Seoul zurück und rückte bis zur nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang vor.

USA provoziert Kriegseintritt Chinas

Weil China die von den USA angestrebte Wiedervereinigung Koreas auf keinen Fall dulden wollte, die UN-Truppen den Yalu-Fluss überquerten und damit chinesisches Hoheitsgebiet verletzten, mischte sich das Reich der Mitte in den Konflikt ein. Mit 400000 Chinesen und 100000 Nordkoreanern holte China zur Grossoffensive gegen die Allierten aus. Diesem Angriff konnte die 200000 starke UN-Armee nicht standhalten und musste sich erneut in Richtung Süden zurückziehen.

US-General wollte Atombombe über China abwerfen

Als die USA 1951 Seoul zurückeroberten, wurde aus der Schlacht um die koreanische Halbinsel ein Stellungskrieg. Dies frustrierte sowohl US-Präsident Harry Truman wie auch seinen General McArthur so sehr, dass beide mit atomaren Luftangriffen drohten. Mit diesen Drohungen versuchten die USA den Konflikt so schnell wie möglich zu beenden. Als McArthur sogar bereit war, Atomschläge auf chinesische Städte zu fliegen, enthob ihn Truman seines Amtes.

Im Verlauf des Krieges kam Nordkorea zur Einsicht, dass der Konflikt ein Ende haben muss. Wenig später begannen im Juli 1951 erste Friedensverhandlungen zwischen Nordkorea und der UNO. Einigen konnten sich die Gegner aber nicht, weil Nordkorea auf der Zwangsrückkehr seiner gefangen genommenen Soldaten bestand. Letzen Endes unterschrieben die UNO und Nordkorea Mitte 1953 einen Friedensvertrag.

Ergebnis des Krieges: Mehr Zorn und Hass

Bilanz des Krieges: Die Grenzlinie veränderte sich nach Kriegsende keinen Millimeter- im Gegenteil: Die Grenze blieb am 38. Breitengrad und wurde sogar um eine vier Kilometer breite entmilitarisierte Zone erweitert. Darüber hinaus fielen dem Stellvertreterkrieg über drei Millionen Menschen zum Opfer - davon 40000 UN-Soldaten. Bei Kampfhandlungen starben auch 500000 koreanische und 400000 chinesische Soldaten. Und: Der Krieg hinterliess bei der Bevölkerung einen noch viel tieferen Hass als vor Beginn des Konflikts.

146 Schweizer Offiziere überwachen Waffenstillstand

Um den Waffenstillstand und den Austausch der Gefangenen an zehn vorgesehenen Kontrollposten sicherzustellen, wurde 1953 eine Kommission von vier neutralen Staaten unter dem Namen «Neutral Nations Supervisory Commision in Korea» (NNSC) nach Korea geschickt. Südkorea wählte die Schweiz und Schweden, Nordkorea Polen und die Tschechoslowakei als neutrale Länder (siehe Box).

Fazit des Gefangenenaustausches: Von den 50000 nordkoreanischen Kriegsgefangenen kehrten nach dem ausgehandelten Waffenstillstand gerade einmal 50 Prozent in ihr Heimatland zurück. Nach Kriegsende pumpten die beiden Grossmächte Milliardenbeträge in die beiden Staaten hinein und 1961 kam es in Südkorea zu einem Militärputsch. Diese Diktatur hielt bis 1987. Erst danach führte Südkorea die Demokratie ein.

Nordkorea strebt nach Atomwaffen

Eines hat sich nicht geändert: Zwischen den beiden Nationen herrscht Eiszeit. Als die USA ihre Kernwaffen 1992 aus Südkorea abziehen, kommt es zu einer leichten Enstpannung. Die beiden verfeindeten Staaten erklären die Region zur atomfreien Zone. Doch nur ein Jahr später sorgt Nordkorea mit einer ersten Provokation für weltweites Kopfschütteln. Das Regime in Pjongjang verweigerte den Inspektoren der internationalen Atomenergiebehörde (IAE) den Zutritt zu den nordkoreanischen Atomanlagen.

Erst 1994 erklärt sich Nordkorea bereit, auf Atomwaffen zu verzichten und den Inspektoren Zutritt zu ihren Atomanlagen zu gewähren. Im Gegenzug sollten die USA die nordkoreanischen Reaktoren zu Leichtwasserreaktoren umrüsten. Dieser Deal hält nur für kurze Zeit, denn 1998 provoziert Kim Jong Il die Welt erneut, indem eine nordkoreanische Mittelstreckenrakete auch Japan überquert.

«Achse des Bösen»

Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 nahm US-Präsident George W. Bush das Land in die «Achse des Bösen» auf. Zudem wirft Bush deren Herrscher Kim Jong Il vor, nach Atomwaffen zu streben und stoppt die Öllieferungen nach Nordkorea. Als Gegenmassnahme tritt Nordkorea aus dem Atomwaffensperrvertrag aus und erklärt den mit seinem Nachbarland ausgehandelten Friedensvertrag im Mai 2003 für nichtig.

Die neue Eskalation gipfelt 2004 darin, dass Nordkorea vom Vater der pakistanischen Bombe Abdul Kadir Khan die Pläne zum Bau der Kernwaffe abkauft. Inzwischen besitzt das Land laut eigenen Angaben einsatzfähige Atombomben mit entsprechenden Trägersystemen und führte 2006 und 2009 Atombomben-Tests durch. Seither steht das Land unter hartem Wirtschaftsembargo.

2010: Nordkorea versenkt Kriegsschiff

Nun droht der Korea-Konflikt nach der neusten Aggression seitens Nordkoreas vollends zu eskalieren. Ende März 2010 versenkt ein nordkoreanisches U-Boot mit einem Torpedo-Angriff ein südkoreanisches Kriegsschiff. Dabei kommen 46 Matrosen ums Leben. Zwar bestreitet das Schreckensregime in Pjöngjang bis heute den Angriff durchgeführt zu haben, doch die vorliegenden Beweise gegen das Land sind erdrückend. Da niemand einen Dritten Weltkrieg will, verhängt Südkorea als Strafmassnahme gegen Nordkorea erneut ein Wirtschaftsembargo und plant zusammen mit den USA ein gemeinsames Manöver vor der Küste.

Doch damit nicht genug: Südkorea setzt wieder auf psychologische Kriegsführung. So will die Regierung in Seoul Lautsprecher entlang der Grenze aufstellen und die nordkoreanischen Soldaten aufrufen, überzulaufen. Setzt Südkorea diesen Plan in die Tat um, droht Nordkorea offen damit, auf diese Megaphone zu schiessen. Ausserdem hat der nordkoreanische Machthaber Kim seine Streitkräfte in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt.

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