Eklat im Nationalrat
Köppel sieht sich als Chef von Justizministerin Sommaruga

Rogel Köppel doppelt in seinem Editorial in der "Weltwoche" nach: Nicht er habe sich mit seinen verbalen Angriffen auf Justizministerin Simonetta Sommaruga zu weit aus dem Fenster gelehnt - er sei schliesslich "ihr Vorgesetzter".

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In den Augen von Roger Köppel ist es ein Affront, dass Sommaruga «einfach geht, während der Chef noch redet».

In den Augen von Roger Köppel ist es ein Affront, dass Sommaruga «einfach geht, während der Chef noch redet».

Peter Schneider/Keystone

Von einer "Affäre" mag SVP-Nationalrat und "Weltwoche"-Verleger Roger Köppel nicht sprechen. Dass Justizministerin Simonetta Sommaruga (SP) während seiner Rede zu den Kroatien-Protokollen den Nationalratssaal verliess, ist ihm aber immerhin das Editorial der jüngsten "Weltwoche" wert.

Erneut bezeichnet er darin die Bundesrätin als "dünnhäutig oder hochnäsig" - und sieht nicht ein, wieso sein "fraglos zutreffendes und begründetes" Votum zum "Davonschleichen" der Bundesrätin samt SP-Fraktion geführt hatte.

Im Gegenteil: Er bezeichnet es im Editorial als Affront, dass Sommaruga "einfach geht, während der Chef noch redet". Denn als genau das versteht sich der SVP-Nationalrat: Er habe Simonetta Sommaruga im letzten Dezember schliesslich seine Stimme gegeben. Und "als ihr Wähler bin ich auch ihr Vorgesetzter".

Im Editorial erklärt Köppel auch, wieso er die Vorladung von Nationalratspräsidentin Christa Markwalder (FDP) am Dienstag nicht wahrgenommen hatte. Er habe nach Zürich zurück müssen, um unter anderem dieses Editorial zu schreiben.

Auch Markwalder muss im Editorial dran glauben. Die Augen der "Berner Linksfreisinnigen" hätten "vorwurfsvoll geglimmt", als er ihrer "kühl formulierten, grauen, grusslosen Notiz" nicht folgte und den Termin verschob.

Köppel bleibt dabei: Das Opfer einer Diffamierung sei er, nicht Simonetta Sommaruga, der er umgekehrt vorwirft, sich als solches zu inszenieren. "Sommarugas wortlos beleidigter Abgang ­zielt (...) auf den Absender, auf mich", schreibt er.

Und da seine im Rat geäusserten Vorwürfe "von nachprüfbaren Fakten" ausgingen, sei es vielmehr eine "Verletzung ihrer amtlichen Pflichten, dass sich die Bundesrätin meiner Kritik durch Davonschleichen entzogen hat".

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