Anstandsdebatte
Köppel fühlt sich schlecht behandelt: «Sommaruga ist mir gegenüber respektlos»

Es geht um Anstand, es geht um Stil. Aber wie fast immer – die Politiker sind sich uneins. Viele hielten die Ansprache von Roger Köppel vor dem Nationalrat als unanständig und finden es richtig, dass Bundesrätin Sommaruga den Saal verliess. Der versucht, den Spiess umzudrehen.

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Einen Tag nach seiner umstrittenen Rede im Nationalrat musste Roger Köppel bei der Ratspräsidentin Christa Markwalder antraben und sich für sein Verhalten gegenüber Bundesrätin Simonetta Sommaruga rechtfertigen. Doch der SVP-Politiker tat vor allem eins: Er beklagte sich bei ihr, wie er im TalkTäglich auf Tele Züri sagte.

Der Grund: Er sei enttäuscht von Christa Markwalder. «Ich hätte von ihr erwartet, dass sie die Bundesrätin dafür rügt, dass sie den Saal während meiner Ansprache verlässt.» Man könne nicht einfach weglaufen, während jemand mit einem spreche. «Das war mir gegenüber respektlos», so der Zürcher SVP-Nationalrat.

Sommaruga war im TalkTäglich nicht zu Gast. Ihre Position in der Sendung nahm FDP-Nationalrat Hans-Peter Portmann ein, der die Bundesrätin verteidigte: «Sommaruga war nicht respektlos. Sondern sie hat zum Ausdruck gebracht, dass sie sich auch nicht alles gefallen lassen muss. Irgendeinmal ist das Fass voll.» Und: «Sommaruga ist auch nur ein Mensch.»

Vor allem eine Stelle in Köppels Rede zur Ausdehnung des Freizügigkeitsabkommen auf Kroatien sei schlicht daneben gewesen. Portmann meint folgende Äusserung von Köppel: «Sie (Sommaruga) reden lieber von Plangenehmigungsverfahren statt von Enteignungen, wenn Sie den Leuten die Häuser und die Wohnungen wegnehmen wollen, um dort die von Ihnen ins Land geholten jungen Männer aus Gambia, Somalia oder Eritrea als Asylanten unterzubringen.»

Portmann: «Köppel muss bei den Fakten bleiben. Seine Aussagen gehen in Richtung Rufschädigung. Das geht nicht.»

Hunderte Mails

Köppel hingegen sieht sich als Opfer einer Kampagne: «Man will mich verleugnen.» Das sei der einzige Ausweg der anderen Parteien. Denn: «Dass ich die Wahrheit ausgesprochen habe, ist ja klar. Denn wenn Sommaruga Argumente gehabt hätte, hätte sie mir ja widersprechen können.» Im Recht glaubt er sich, weil er «hunderte Mails, die mich bestätigen» erhielt.

Man könne nicht frei von der Leber reden, wenn man vor dem Nationalrat und vor dem Bundesrat spreche, meinte hingegen Portmann. «Der Redner muss gewisse Regeln einhalten.» Man müsse einer Bundesrätin gegenüber einen gewissen Respekt zeigen.»

Der SVP-Nationalrat findet, ein Mitglied des Bundesrats müsse Kritik ertragen können. «Es kann nicht sein, dass man die beleidigte Leberwurst spielt.»

Trotz Uneinigkeit und gegenseitigen Angriffen: Der TalkTäglich dauerte die geplanten 20 Minuten. Keiner der beiden Politiker verliess vorzeitig das Studio. (fvo)

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