Flugzeug-Entführung
Kopilot meldet erfundene Panne und verhandelte noch in der Luft um Asyl

Eines der Triebwerke sei ausgefallen und es bleibe nur noch wenig Treibstoff: Dies sagte der Kopilot, der am Montag ein Flugzeug nach Genf entführte, der Flugsicherung Skyguide. Der Kopilot zögerte offenbar, zu landen, und verhandelte um Asyl.

Merken
Drucken
Teilen
Entführtes Flugzeug in Genf gelandet - Entführer war der Co-Pilot
5 Bilder
Beim entführten Flug handelt es sich um den ET702 der Ethiopian von Addis Abeba. Das Flugzeug landete um 6.05 Uhr am Montagmorgen in Genf.
Kurz vor 8 Uhr: Die rund 200 Passagiere verlassen das Flugzeug. Polizisten einer Spezialeinheit nehmen sie in Empfang.
Das Fenster beim Co-Piloten ist offen, er wollte Asyl in der Schweiz und kletterte mit einem Seil runter
Das entführte Flugzeug kreiste länger über dem Flughafen Genf, bevor es landen durfte.

Entführtes Flugzeug in Genf gelandet - Entführer war der Co-Pilot

Keystone

Die Flugsicherung schlug dem Kopiloten bereits ab 5.30 Uhr vor, zu landen, obwohl dieser angab, noch für 35 Minuten Treibstoff zu haben, sagte Vladi Barrosa, Mediensprecher von Skyguide, der Nachrichtenagentur SDA.

Das habe der Kopilot nicht getan, weil er noch verhandeln wollte, um grünes Licht für seinen Asylantrag zu erhalten. Man habe nicht gewusst, ob die Angaben zu den technischen Problemen der Wahrheit entsprachen, aber man habe gehandelt, als ob dies der Fall sei, sagte Barrosa.

Die Flugsicherung von Skyguide, die rund um die Uhr im Einsatz ist, trifft ihre Entscheidungen normalerweise in letzter Instanz. Am Montag musste der Fluglotse jedoch die Rolle des Vermittlers zwischen dem Kopiloten und einem Verhandlungsexperten der Polizei übernehmen.

Skyguide habe dem Kopiloten ein zweites Mal vorgeschlagen, das Flugzeug zu Boden zu bringen, als dieses noch über Treibstoff für 20 Minuten verfügte. "Er lehnte erneut ab", sagte Barrosa.

Funk nicht verschlüsselt

Als die Zeit bis auf zehn Minuten zurückging, wurde die Maschine diesmal angewiesen, jetzt zu landen, auch wenn der Kopilot den Behörden kein Versprechen auf Asyl abringen konnte. "Das Risiko eines Absturzes wurde zu gross."

Dass das Gespräch zwischen dem Kontrollturm und dem Kopiloten am Dienstag von der Zeitung "Le Temps" veröffentlicht wurde, sei nicht unbedingt auf ein Leck zurückzuführen, sagte Barrosa.

"Die Gespräche sind nicht verschlüsselt, sie sind öffentlich", so der Skyguide-Mediensprecher. Es gebe sogar eine Gratis-App.

Der Flughafen Genf könne jederzeit reagieren, wenn ein Flugzeug in der Nacht in Genf landen müsse, auch wenn der Flugverkehr zwischen Mitternacht und 6 Uhr eingeschränkt sei, sagte Bertrand Stämpfli, Mediensprecher des Flughafens Genf.

Genf statt Rom angeflogen

Der Kontrollturm sei rund um die Uhr von Skyguide besetzt. In der Nacht stehe eine Person im Einsatz. Der Flug ET 702 der Ethiopian Airlines setzte um 6.02 Uhr in Genf auf. Die 202 Passagiere und Besatzungsmitglieder blieben unverletzt.

Während des Fluges nach Rom hatte sich der Kopilot im Cockpit eingesperrt, als der Chefpilot die Toilette aufsuchte. Danach gab er der italienischen Flugsicherung zu erkennen, dass er das Flugzeug entführt hatte.

Die Boeing 767-300 wurde darauf von zwei italienischen Kampfjets des Typs Eurofighter eskortiert, über den französischen Luftraum bis in die Schweiz übernahmen zwei Mirage 2000 die Begleitung. Nach der Landung in Genf liess sich der Kopilot widerstandslos festnehmen.

Der 31-jährige Äthiopier verlangte politisches Asyl in der Schweiz und gab an, dass er in seiner Heimat nicht sicher sei. Der Mann wurde festgenommen. Ihm droht eine Freiheitsstrafe von 20 Jahren.