Nach über 25 Jahren musste ein Schweizer Gericht erstmals wieder darüber urteilen, ob das Tragen eines Kopftuches in einem privaten Betrieb eine Kündigung rechtfertigt oder nicht. Hintergrund bildet der Streit zwischen einer jungen Serbin und einer Berner Grosswäscherei. Anfang 2015 kam die langjährige Angestellte verhüllt zur Arbeit, woraufhin sie das Unternehmen entlassen hatte.

Das wollte die Muslimin nicht akzeptieren: Mit der Unterstützung des Islamischen Zentralrats (IZRS) ging sie juristisch dagegen vor - und hat recht erhalten. Das Regionalgericht Bern-Mittelland hat gemäss "Sonntagszeitung" die Kündigung für missbräuchlich erklärt und der Frau eine Entschädigung zugesprochen. Als Grund gab das Gericht die Glaubens- und Gewissensfreiheit an; nach dieser darf in der Privatwirtschaft auch ein Kopftuch während der Arbeit getragen werden.

Kopftuch ist "Accesoire der Islamisten"

"Das Kriterium für eine Arbeitsstelle sollten die Kompetenzen sein und nicht das getragene Kleidungsstück", sagt Önder Güneş von der Föderation Islamischer Dachorganisationen der Schweiz (FIDS) zur "Sonntagszeitung". Der Gerichtsentscheid sei so relevant, damit auch muslimische Frauen Eingang in die Arbeitswelt finden.

Saida Keller-Messahli hingegen kritisiert das Urteil. Gemäss der Präsidentin des Forums für einen fortschrittlichen Islam ist das Kopftuch kein religiöses Gebot im Islam, sondern ein "Accessoire der Islamisten".