In der Europäischen Union sind Fahrgäste des öffentlichen Verkehrs seit 2009 privilegiert: Bei massiven Verspätungen im nationalen und internationalen Netz gibts Geld zurück. Und kommen Gepäckstücke zu Schaden, dann stehen die Unternehmen auch in der Pflicht.

In der Schweiz gilt dies nicht - bislang.

Nun geht die Stiftung Konsumentenschutz (SKS) in die Offensive. Die EU-Regelung (Verordnung 1371/2007) sollte in der Schweiz flächendeckend auf alle Anbieter des Öffentlichen Verkehrs angewandt werden, meint SKS-Präsidentin Sara Stalder.

Ihr geht es noch um weitere Punkte, die über die Verspätungs-Diskussion hinaus gehen und ebenfalls durch die EU-Verordung geregelt werden: Die Versicherung bei Personen- oder Gepäckschäden etwa oder das Anrecht auf eine klare Information zu den Rechten der Reisenden.

Erste Gespräche im März

Im ersten Schritt möchte die SKS die SBB für die EU-Verordnung gewinnen, da die SBB der mit Abstand grösste öV-Anbieter ist. In einem zweiten Schritt sollten dann die anderen Unternehmen nachziehen.

Erste Gespräche finden diesen März statt. Dann trifft sich die SKS mit dem Verband öffentlicher Verkehr (VöV). Dabei kommt sicher eine der Hauptklagen zur Sprache, die Konsumenten der SKS immer wieder vortragen: Die Informationen seitens der öV-Anbieter seien unzuverlässig, vor allem wenn es um Verspätungen und Anschlusszüge gehe.

SBB: Schon jetzt kulant

Pressesprecher Roman Marti sagt, die SBB hätten allein 2009 rund 1,6 Millionen Franken für Kundenentschädigungen aufgewendet. Diese Summe umfasste Entschädigungen (so genannte Rail Check Sorry) oder Rückerstattungen. Die Entschädigungen gingen an Binnenreisende und solche, die ein internationales Ziel hatten.

Marti sagt, dass die vielen Entschädigungen schon heute ohne gesetzliche Grundlage gesprochen würden: «Wir gehen das pragmatisch an», meint er. Denn es sei der SBB wichtig, zufriedene Kunden zu haben.

Falls jemand aufgrund von Verspätungen den letzten Anschluss verpasse, organisiere die SBB auch ohne eigenes Verschulden Taxi-Fahrten oder Hotelübernachtungen «und wieder ohne, dass wir dazu gesetzlich verpflichtet wären», betonte Marti.