Berggänger

Konsumationszwang gegen das Reglement? Selbstkocher in SAC-Hütten sind nur noch geduldet

Essen darf man Selbstgekochtes in SAC-Hütten drinnen – kochen muss man vielleicht aber draussen.Balzarini/Keystone

Essen darf man Selbstgekochtes in SAC-Hütten drinnen – kochen muss man vielleicht aber draussen.Balzarini/Keystone

Früher war es normal, heute aber sind Berggänger, die auf bewarteten Hütten das Essen selber kochen, keine gern gesehenen Gäste. Das Hüttenreglement ist allerdings eindeutig. Kommt nun der Konsumationszwang?

Im 2017 revidierten Hüttenreglement steht es schwarz auf weiss: Selbstversorger sind in allen Hütten des Schweizer Alpen-Clubs (SAC) willkommen, sie dürfen bei der Reservation nicht benachteiligt werden und es gibt keinen Konsumationszwang. «Da gibt es keinen Interpretationsspielraum», musste Bruno Lüthi, Bereichsleiter Hüttenbetrieb auf der Geschäftsstelle des SAC-Dachverbandes in Bern kürzlich im Verbands-Magazin «Die Alpen» festhalten.

Nötig geworden ist diese «Klarstellung», nachdem zwei Hüttengäste auf einer SAC-Hütte zur Bezahlung der Halbpensionstaxe verpflichtet wurden, obwohl sie sich selber verpflegen wollten. Vor der zweiten Nacht und nach einer langen Tour wurden die beiden nicht konsumationswilligen Gäste von der Hütte gewiesen. Sie mussten zu später Stunde ins Tal absteigen. Sie haben sich darauf – zu Recht wie festgehalten wurde – in Bern über die fehlende Gastfreundschaft und den Konsumationszwang beschwert.

Das Reglement ist eindeutig

«Eine unschöne Geschichte und nicht in unserem Sinn», bilanziert Bruno Lüthi nachträglich. Die fehlbare Hüttenwartin sei angewiesen worden, sich künftig an das Reglement zu halten. Und das halte unmissverständlich fest, dass Gäste nicht zur Konsumation gezwungen werden können, auch dann nicht, wenn die Hütte bewirtschaftet und ausgebucht ist.

Trotz dieser Massregelung von höchster Stelle und langjähriger Tradition sind die Hütten für die – zugegebenermassen immer seltener anzutreffenden – Selbstkocher kein Tummelplatz ohne Regeln. Auch den Rechten der eigenständigsten aller Gäste seien klare Grenzen gesetzt, hält Lüthi fest, und diese liessen sich am besten mit der Küchentüre beschreiben: Nicht zuletzt aus hygienischen Gründen ist es in den allermeisten Hütten nicht mehr möglich, dass die Gäste selbst in der Küche wirken. Und selbst die alte Tradition, dass man die Esswaren dem Hüttenwart zum Kochen überreichen konnte, ist erloschen, weil es das Lebensmittelrecht verbietet. Deshalb empfiehlt Lüthi allen kochwilligen Tourengehern, neben dem Proviant auch den eigenen Kocher mitzunehmen. Und: Der vom Hüttenwart zugeteilte Kochplatz könne unter Umständen aus Feuerschutzgründen auch ausserhalb der Hütte liegen.

Zelten neben Hütte geht nicht

Essen aber – da habe sich nichts geändert – dürften Selbstkocher in der Hüttenstube. Grenzen habe die Toleranz gegenüber Selbstversorgern zudem dort, wo diese für die Infrastruktur der Hütte nichts bezahlen wollen. Als «No-Go» gilt, vor der Hütte zu zelten, um gratis Wasseranschluss und Toiletten zu nutzen. «Um die Infrastruktur der Hütten aufrechtzuerhalten, seien grosse finanzielle Aufwendungen nötig, weshalb schon heute von den über 150 SAC-Hütten nur die fünf bis zehn grössten kommerziell interessant seien, erklärt Lüthi. Die SAC-Sektionen sind als Eigentümer der Hütten in den meisten Fällen neben den Hütteneinnahmen auch auf Spenden angewiesen.

Die Geschichte mit den Selbstkochern und die Antwort darauf «aus Bern» hat indessen weitere Reaktionen und einen engagierten Disput innerhalb des SAC bewirkt. Während die einen in Leserbriefspalten die fehlbare Hüttenwartin in Schutz nehmen und ihr für die «harte Hand» gratulieren, machen sich andere für die Selbstverpfleger und «Konsumverweigerer» stark. Die Mehrheit indes teilt offensichtlich die Meinung eines Leserbriefschreibers aus Celerina, der meint: «Wenn ich mir vorstelle, was für einen Riesenaufwand die Hüttenwarte und Hüttenwartinnen betreiben, um uns Bergsteigern einen angenehmen Aufenthalt zu bieten, und dies unter zum Teil sehr schweren Bedingungen, da käme es mir doch nie in den Sinn, mein Essen inklusive Kocher auf eine bewartete Hütte zu tragen, selber zu kochen und den Abwasch und den Abfall dem Hüttenwart zu überlassen. Ich würde mich trotz Reglement schämen.»

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