Kasernenareal
Kongresshaus an der Sihl

Nach dem gescheiterten Projekt für ein Kongresshaus am See prüft Zürich neue Standorte. Favorit ist das Kasernenareal. Doch es droht Widerstand.

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Kongresshaus

Kongresshaus

Limmattaler Zeitung

Martin Reichlin

Es scheint das Ei des Kolumbus zu sein: ein neues Kongresshaus auf dem Zürcher Kasernenareal entstehen zu lassen. Denn sowohl Stadt als auch Kanton Zürich würden auf einen Schlag ein Problem los. Der Kanton könnte die mehr als 30-jährige Ratlosigkeit über die weitere Nutzung des riesigen Geländes an zentralster Lage beenden. Seit die Regierung 1973 die Verlegung des Militärs ins Reppischtal in die Wege geleitet hatte, wurden acht Urnengänge durchgeführt sowie unzählige Studien und Manifeste verfasst - ohne Ergebnis.

So fruchtlos war die Diskussion, dass Benedikt Loderer, Gründer der Architekturzeitschrift «Hochparterre» und intimer Kenner der Causa, sagt: «Am besten würde man einen Zaun um das Areal ziehen, alles verlottern lassen und auf eine Tafel schreiben: Hier sehen Sie was passiert, wenn ihr Geld nicht arbeitet.»

Vieles spricht für die Kaserne

Die Stadt wiederum hätte die Chance, das Projekt Kongresshaus doch noch in absehbarer Zeit zu einem Abschluss zu bringen. Nach dem Volks-Nein zum von Rafael Moneo entworfenen Haus am See hatte sie im Juni 2008 zähneknirschend wieder aufs Feld «Start» ziehen müssen.

Kein Wunder also, dass sich der kantonale Baudirektor Markus Kägi und seine städtische Kollegin Kathrin Martelli nun eifrig den Ball zuspielen. So verkündete der Kanton kürzlich, man wolle bei der weiteren Planung eines Kongresszentrums eng mit der Stadt zusammenarbeiten und favorisiere dabei den Standort Kasernenareal.

Etwas überraschend, hatte sich der Kanton doch bisher verhalten, als sei der Bau des neuen Tagungszentrums allein Sache der Stadt. «Wir wollten der städtischen Planung eines neuen Kongresshauses nicht vorgreifen», sagt Dominik Bonderer, Sprecher der kantonalen Baudirektion.

Durch das Nein der Stadtzürcher Stimmbevölkerung zum Moneo-Projekt sei aber eine neue Ausgangslage entstanden. Martelli sagte kürzlich: «Wir glauben an den Standort Kaserne.» Im Herbst werde sie bekannt geben, wie es weiter geht.

Schon heute ist abzusehen, dass sie das Kasernenareal als neuen Kongressstandort favorisieren wird. Erstens, weil das Grundstück innert nützlicher Frist, also ab 2014, wenn Justiz und Polizei in ihr neues Zentrum PJZ ziehen, zur Verfügung steht. Ein wichtiger Punkt für Martelli, will sie doch unbedingt einen Standortentscheid bekannt geben können, bevor sie 2010 ihre Stadtratskarriere beendet.

Zweitens könnte die Stadt das Bauland relativ einfach und günstig im Baurecht vom Kanton übernehmen, während es bei den zurzeit ebenfalls evaluierten Standorten am Seeufer in der Enge und an der Geroldstrasse in Zürich West erst bei verschiedenen Grundeigentümern gekauft werden müsste. Und drittens ist das Areal gross genug für den Komplex inklusive Hotel - ein Vorteil, den der ebenfalls diskutierte Standort «Carparkplatz» nicht hat.

Widerstand angekündigt

Doch auch einem Kongresshaus auf dem Kasernenareal droht Widerstand. Zum einen vom Zürcher Heimatschutz, der sich, wie Präsident Markus Fischer andeutet, bis vor Bundesgericht gegen einen Abbruch der alten Kaserne wehren würde.

Zum anderen von der Bevölkerung, die, wie der Stadtzürcher SP-Kantonsrat Martin Naef sagt, eine «Mitsprache beim Projekt und den Erhalt der Grünfläche hinter der Kaserne» will. Zwei Anliegen, die bei der Stadt auf offene Ohren stossen, so Urs Spinner vom Hochbaudepartement.

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