Markus Dübendorfer

Kompromisse für konstruktives Arbeiten

«Habe immer den Ausgleich gesucht»: Markus Dübendorfer wollte keine extremen Positionen vertreten. (Bild: Hansjörg Sahli)

Markus Dübendorfer

«Habe immer den Ausgleich gesucht»: Markus Dübendorfer wollte keine extremen Positionen vertreten. (Bild: Hansjörg Sahli)

Markus Dübendorfer suchte als Präsident des Grossen Gemeinderates immer den Kompromiss. Für ihn der einzige Weg, um Politik im gemeinschaftlichen Interesse erfolgreich zu führen.

Christoph Trösch

«Es war ein Hochkonjunktur-Jahr mit typischen Hochkonjunktur-Problemen», blickt Markus Dübendorfer auf sein Amtsjahr als Präsident des damaligen Grossen Gemeinderates zurück. Es herrschte Vollbeschäftigung, und alle Firmen suchten verzweifelt zusätzliches Personal. Die Kehrseite davon war eine Teuerungsrate von über fünf Prozent.

Auch die Gemeinde Langenthal - damals war sie noch keine Stadt - investierte viel. Grosse Teile des Strassennetzes und der Kanalisation musste sie erneuern. Die Langenthaler Infrastruktur brauchte also Aufmerksamkeit. Aufmerksamkeit, die sie vom damaligen Grossen Gemeinderat auch bekam.

Zusätzlich wurden 1990 je vier Millionen Franken in den Bau des Hochwasserstollens und den Bau des neuen Verwaltungsgebäudes investiert. Insgesamt beliefen sich die Investitionen auf über 15 Millionen Franken. Das bedeutete auch viel Arbeit für den Grossen Gemeinderat.

Mit Freude intensiv gearbeitet

Eine wichtige und schöne Funktion im Präsidium des Grossen Gemeinderates sei es, diesen in der Öffentlichkeit zu vertreten. Markus Dübendorfer trat an ungefähr 20 Anlässen auf. Welche Rede ihm am meisten Freude bereitete, weiss er noch genau: «Ich durfte die 1.-August-Rede in Schoren halten und vertrat den Rat an der Jungbürgerfeier. Das hat mich besonders gefreut.»

Auch das Jahr als Ganzes hat Dübendorfer positiv erlebt, wie er erzählt: «Es war eine intensive Arbeit, aber zugleich eine schöne Aufgabe. Die Mitglieder im Rat waren sehr kooperativ.» Ein zu polarisierendes Politisieren sei aber ausgeblieben, was gute Kompromisse ermöglicht habe.

Während seiner Amtszeit hatte er mit vielen verschiedenen Themen zu tun. Betreffend Traktanden und Sitzungen war es ein Rekordjahr: Annähernd 150 Ordnungspunkte mussten an insgesamt elf Sitzungen - darunter eine Doppelsitzung - abgehandelt werden.

«Politik und die Diskussionen darüber haben mich schon immer interessiert», sagt er. Bereits sein Vater kandidierte einst in der sozial-liberalen Partei für den Nationalrat. Dübendorfer kennt sowohl das Leben in bescheidenen Verhältnissen aus seiner Jugend als auch die Aufgaben in einer verantwortungsvollen Führungsfunktion.

Sein Entscheid, der liberalen FDP beizutreten, war für ihn deshalb naheliegend. In seinem Beruf hatte er mit vielen unterschiedlichen Leuten und Einstellungen zu tun. Eine Prämisse, die es ihm erleichterte, die Anliegen von verschiedenen Seiten ernst zu nehmen. «Ich habe immer den Ausgleich gesucht, anstatt extreme Positionen zu vertreten.»

Dübendorfer ist ein Dübendorfer

Eine konstruktive Zusammenarbeit sieht Dübendorfer als Grundlage für eine funktionierende Politik: «Einer Gemeinschaft geht es nur gut, wenn es allen Mitgliedern dieser Gemeinschaft gut geht. Mit konstruktiven Kompromissen kommt man in der Politik am Besten voran. Wer nur auf seinen Partikularinteressen verharrt, blockiert die Projekte.»

Genau das ist es, was Dübendorfer auf Bundesebene kritisiert. Im Gesundheitswesen sei ein konstruktives Zusammenarbeiten heute leider nicht mehr möglich, weil kein Mittelweg gesucht werde.

Aufgewachsen ist Dübendorfer, wie es der Name vorwegnimmt, im zürcherischen Dübendorf. Bevor er im Jahre 1973 nach Langenthal zog, wohnten er und seine Frau zwei Jahre unweit vom Schloss Windsor in England - genauer gesagt im südwest-englischen Maidenhead, laut ihm einer der «schönsten Orte in ganz England».

1974 trat er dann in die FDP ein. Zwar suchte er in Langenthal keine politische Karriere, nahm jedoch die baldige Anfrage, im Vorstand mitzuhelfen, aus Goodwill an. Drei Jahre später wurde er Vizepräsident der FDP Langenthal.

Ab 1978 FDP-Parteipräsident

Wegen eines Streits über die Kandidatenstellung für die kommenden Gemeindepräsidentenwahlen zwischen SVP und FDP trat der damalige FDP-Parteipräsident im Jahr 1978 unerwartet zurück. Dübendorfer übernahm als Vize das Amt des FDP-Präsidenten, was mit einem grossen Aufwand verbunden war.

1981 wurde er erstmals in den Grossen Gemeinderat gewählt, dem er zwölf Jahre angehörte. Vor seiner Amtsperiode als Präsident konnte er deshalb viel Erfahrung sammeln, denn er war schon im zehnten Amtsjahr, als er zum Präsidenten gewählt wurde. Zwei Jahre später trat er aus dem Grossen Gemeinderat zurück.

Dübendorfer arbeitete bis 2004 als Leiter des Geschäftsbereiches Administration für die Langenthaler Création Baumann. Seit fünf Jahren ist der diplomierte Betriebsingenieur ETH als selbstständiger Unternehmensberater tätig. Bei seinen wichtigsten Mandaten, als Präsident der Bernischen Lehrerversicherungskasse und als Vizepräsident des Verwaltungsrates der Bedag Informatik AG, kommt ihm seine politische Erfahrung zugute.

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