Bildungspolitik
Kommt es zwischen Unis und Hochschulen zum Kulturkampf?

Am Donnerstag wird die neue Hochschulkonferenz gegründet. Universitäten, Fachhochschulen und Pädagogische Hochschulen rücken enger zusammen – nicht ohne Nebengeräusche.

Antonio Fumagalli
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Fachhochschulen befürchten Bevormundung durch mächtige Unis

Fachhochschulen befürchten Bevormundung durch mächtige Unis

KEYSTONE

Am kommenden Donnerstag fällt der Startschuss: Bildungsminister Johann Schneider-Ammann und Christoph Eymann, Präsident der kantonalen Erziehungsdirektorenkonferenz, setzen ihre Unterschrift unter eine Zusammenarbeitsvereinbarung und rufen damit die Schweizerische Hochschulkonferenz (SHK) – das oberste hochschulpolitische Organ des Landes – anlässlich ihrer ersten Sitzung offiziell ins Leben. Als juristische Grundlage dient das Hochschulförderungs- und Koordinationsgesetz, das seit Anfang Jahr in Kraft ist.

Es ist dies eine wichtige Etappe auf einem Weg, der schon fast ein Jahrzehnt andauert: 2006 nahm das Stimmvolk mit überwältigender Mehrheit, bei allerdings historisch tiefer Beteiligung, den neuen Bildungsartikel an. Dieser beauftragt Bund und Kantone unter anderem, die Zusammenarbeit zwischen Universitäten, Fachhochschulen und Pädagogischen Hochschulen zu fördern und deren Qualität zu sichern.

Aus drei mach eins

Bis anhin hatte jeder Hochschulbereich eine eigene Rektorenkonferenz. Damit ist nun Schluss, seit dem 1. Januar treten diese unter dem gemeinsamen Namen «swissuniversities» auf. Jeder Hochschultyp hat dabei aber eine eigene Kammer behalten. Weil es mit einer Stimme auftritt, erhofft sich das neu geschaffene Organ ein grösseres Gewicht in Politik und Öffentlichkeit.

Gegenüber der ebenfalls neuen Hochschulkonferenz als politisches Gremium nimmt der Verein «swissuniversities» eine Art Scharnierfunktion ein. Er nimmt Stellung zu anstehenden Geschäften oder stellt Anträge im Namen der Hochschulen. Inwiefern damit die Abläufe effizienter gestaltet werden, wird sich weisen.

Klar ist aber jetzt schon: Die Gründung der Hochschulkonferenz verläuft nicht ohne Nebengeräusche ab. Konkret fürchten die Fachhochschulen, nicht auf gleicher Augenhöhe mit prestigeträchtigeren Universitäten wahrgenommen zu werden. «Die neue schweizerische Hochschullandschaft – Kampf der Kulturen?» lautete sinnbildlich der Titel eines Referats, das Thomas Meier, ehemaliger Präsident der Konferenz der Fachhochschulen (KFH), im Januar hielt.

«Andersartig, aber gleichwertig»

Meier nahm darin kein Blatt vor den Mund: Als er von der Wirtschaftskommission des Nationalrats eingeladen wurde, sei er zuerst übersehen und dann mit falschen Namen vorgestellt worden. Der Ex-KFH-Präsident wertete dies als Zeichen dafür, dass das Leitmotiv zwischen den verschiedenen Hochschultypen – «andersartig, aber gleichwertig» – in der Praxis nicht gelebt werde.

Neuer Hochschulraum

Der schweizerische Hochschulraum besteht aus Eidgenössischen Technischen Hochschulen, kantonalen Universitäten, Fachhochschulen, Pädagogischen Hochschulen und anderen Institutionen des Hochschulbereichs. Gemäss Verfassung muss der Bund dafür sorgen, dass diese wettbewerbsfähig und qualitativ hochstehend sind. Die Grundlagen dazu sind im Hochschulförderungs- und -koordinationsgesetz (HFKG) festgelegt, das am 1. Januar 2015 in Kraft trat. Von der Seite des Bundes soll es die Grundlagen für eine neue gemeinsame hochschulpolitische Koordination des Hochschulraums schaffen.

Beim Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) hält man die Bedenken der Fachhochschulen allerdings für «nicht begründet». Es gebe keinen Grund, am Grundsatz der Andersartigkeit, aber Gleichwertigkeit der verschiedenen Hochschultypen zu zweifeln. «Die Interessen der Fachhochschulen und Universitäten werden in der Hochschulkonferenz zu gleichen Teilen berücksichtigt», sagt Abteilungsleiterin Silvia Studinger.

Zwei Plenarsitzungen pro Jahr

Vorderhand werden allfällige Richtungskämpfe noch nicht ausbrechen, bei der konstituierenden Sitzung vom Donnerstag geht es in erster Linie um institutionelle Fragen. Doch das kann sich schon bald ändern. Die Plenarversammlung, geleitet vom zuständigen Bundesrat, soll gemäss Reglement zweimal, der Hochschulrat viermal jährlich Sitzungen abhalten.