«Es wird sich nicht eins zu eins gleich abspielen wie gestern. Aber das Potenzial für Hagel ist auch heute gegeben», sagt Reto Vögeli, Meteorologe von Meteonews, einen Tag nach dem verheerenden Hagelsturm, der besonders in Baden zu grossen Schäden geführt hat

Konkret heisst das: Lokal sind wieder kräftige Gewitter mit starkem Regen, Hagel und stürmischem Wind möglich. Auch in der Nacht ist mit weiteren Schauern oder Gewittern zu rechnen, in der zweiten Nachthälfte soll es zu einer Wetterberuhigung kommen.

So brauten sich die Gewitter zusammen

Welche Voraussetzungen führten zum Hagelsturm? «Am Mittwoch wurden vereinzelt schon hochsommerliche Temperaturen gemessen, in Beznau waren es 29,1 Grad», so der Meteorologe. «Zudem war eine gewisse Feuchtigkeit in der Luftmasse», erklärt Vögeli. So war nur noch ein «Zündholz» nötig, um das Gewitter zu entfachen. «In den höheren Schichten der Tropopause kam es zu einem kleinen Temperaturrückgang. Kombiniert mit der grossen Menge an latenter Energie führte dies zur Bildung von heftigen Gewitterzellen.»

Mitverantwortlich war auch ein Aufeinanderprallen von Winden, wie SRF Meteo schreibt. Böiger Westwind in der Region Bern und gleichzeitig kräftiger Ostwind in der Region Zürich prallten über dem Aargau zusammen.

Schon am Nachmittag gab es im Westen und Süden der Schweiz erste Gewitter. Zwischen 17 und 18 Uhr bildeten sich dann im Raum Aargau, Zentralschweiz und Zürich neue starke Gewitter. In der Folge entwickelten sich in der Nordschweiz weitere Zellen, die sich im Laufe des Abends zu einer Gewitterlinie vereint haben und Richtung Norden in die Region Zürcher Unterland, Weinland, Schaffhausen, Thurgau und St. Gallen zog. 

Situation um 19.30 Uhr: Die Gewitterzelle über dem Aargau und jene über der Region Zürich vereinen sich

Situation um 19.30 Uhr: Die Gewitterzelle über dem Aargau und jene über der Region Zürich vereinen sich

Situation um 20 Uhr: Neben der Gewitterlinie im Raum AG/ZH bildet sich im Appenzellerland eine neue kräftige Gewitterzelle

Situation um 20 Uhr: Neben der Gewitterlinie im Raum AG/ZH bildet sich im Appenzellerland eine neue kräftige Gewitterzelle

Situation um 20.30 Uhr: Die massive Gewitterlinie zieht über das Zürcher Unterland, Weinland, Schaffhausen, Thurgau nach Süddeutschland

Situation um 20.30 Uhr: Die massive Gewitterlinie zieht über das Zürcher Unterland, Weinland, Schaffhausen, Thurgau nach Süddeutschland

Örtlich brachten die Gewitterzellen vereinzelt innert kurzer Zeit über 50 Liter Regen pro Quadratmeter (z.B. in den Bezirken Baden, Zurzach und Dielsdorf oder in Teilen des Thurgau), bis zu 2 cm grosse Hagelkörner (z.B. in der Stadt Baden) und mehreren Tausend Blitzentladungen. «Hagel gab es in etlichen Gemeinden. In Baden waren die Hagelkörner besonders gross, was zu heftigeren Schäden geführt hat, als in Gemeinden, wo es zwar mehr, aber kleinere Körner hagelte.»

Voraussagen lassen sich solche Ereignisse schwer: «Wir hatten eine Hagelwarnung herausgegeben, welche Region es genau trifft, lässt sich kaum im Voraus berechnen», sagt Vögeli. Auch für heute gibt es Hagelwarnungen – welche Regionen heute betroffen sein könnten, lässt sich aber dementsprechend auch nicht sagen.

Die Modellprognose von Jörg Kachelmann weist (Stand: 13.45 Uhr) für 20 Uhr ein leichtes bis mässiges Gewitterrisiko für den Raum Schöftland/Oberentfelden sowie im Freiamt rund um Bremgarten und Wohlen aus. Dann ziehen in Richtung Nordosten weiter. Um 21 Uhr droht dieselbe Gefahr  im Bezirk Zurzach sowie in mehreren Gemeinden in der Nachbarschaft. 

Hagel liess Region Baden winterlich aussehen

Hagel liess Region Baden winterlich aussehen

Die Leserbilder aus dem Aargau.