Kommentar
Mit der langsamen Lockerung noch mehr Frust verhindern

Der Bundesrat läutet das Ende der zweiten Welle ein. Dies tut er äusserst vorsichtig – denn das Schüren von zu grossen Hoffnungen kann kontraproduktiv sein.

Doris Kleck
Doris Kleck
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Heute hat der Bundesrat erste Öffnungsschritte angekündigt.

Heute hat der Bundesrat erste Öffnungsschritte angekündigt.

Alessandro Della Valle / KEYSTONE

Euphorie? Nein, die gibt es trotz der angekündigten Öffnungsschritte nicht. Kein Vergleich zum Frühling 2020, als der Bundesrat zum Ende des ersten Lockdowns fröhlich verkündete: «Ab heute gestalten wir unsere Zukunft neu.» Nun läutete der Bundesrat zwar das Ende der zweiten Welle ein, doch er tat dies äusserst nüchtern. Das vergangene Coronajahr hat nicht nur müde gemacht, es hat uns auch ­vorsichtig werden lassen.

Die Situation drückt auf unser aller Psyche. Epidemiologisch gibt es Unsicherheiten, zu den Virusmuta­tionen mehr Fragen als Antworten. Trotzdem ist es richtig, dass die Regierung einen Öffnungsplan vorgestellt hat. Denn die Risiken sind kalkulierbarer geworden. Wir haben genügend Material, um zu testen, testen und noch mehr zu testen. Die Impfungen schreiten voran – immerhin bis Ende April sollten alle Risikogruppen ihren zweiten Piks bekommen haben. Schon jetzt schlägt sich dies in den Zahlen nieder: Es gibt weniger Hospitalisationen und Todesfälle. Diese Entwicklungen stimmen positiv.

Wir bekommen eine Perspektive – auch wenn sie vorerst bescheiden ausfällt. Gewiss, der Bundesrat schlägt ein gemächliches Tempo an, gerade für Kultur, Gastronomie oder Sport enttäuschend gemächlich. Doch die Erfahrungen des ersten Pandemiefrühlings haben gelehrt, dass zu rasche Öffnungen und das Schüren von zu grossen Hoffnungen nur zu noch mehr Frustration führen können.