Kommentar
Nach Ja zur neuen Organspende-Lösung – jetzt muss der Bundesrat erst recht über das Vorgehen aufklären

Die Skepsis der Gegner der Organspende sowie der Gegner der Widerspruchslösung gilt es ernst zu nehmen. Der Bund steht deshalb in der Pflicht.

Anna Wanner
Anna Wanner
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Eine Nierentransplantation im Universitätsspital Genf (HUG) wird auch künftig nur möglich sein, wenn der Wille des verstorbenen Spenders bekannt ist und die Angehörigen der Spende zustimmen.

Eine Nierentransplantation im Universitätsspital Genf (HUG) wird auch künftig nur möglich sein, wenn der Wille des verstorbenen Spenders bekannt ist und die Angehörigen der Spende zustimmen.

Martial Trezzini / KEYSTONE

Fällt ein Referendum in der Bevölkerung durch, tritt das Gesetz innert kurzer Frist in Kraft. Das stimmt zwar auch für die Organspende. Doch hier tangiert die Änderung einen derart intimen Bereich des Menschen, dass die Behörden sich mit dem Ja zur Widerspruchslösung auch eine Verantwortung aufgebürdet haben: Sie müssen die Bevölkerung gut und ständig über ihre Rechte und Pflichten bei der Organspende informieren.

Es wäre allzu einfach, nun zu sagen: Das Volk hat gesprochen, jetzt ändert sich das Gesetz und hoffentlich auch das Spendeverhalten. Doch einerseits stimmten knapp 40 Prozent gegen die neue Regel, was auch als Ausdruck einer allgemeinen Skepsis gegenüber der Organspende zu lesen ist. Diesen Bedenken gilt es Rechnung zu tragen.

Andererseits steigt die Spenderate nur, wenn die Widerspruchslösung auch erfüllt, was sie bezwecken wollte: Dass die Menschen miteinander über das Thema Organspende reden. Dass im Falle eines plötzlichen Todes die Angehörigen nicht auch noch mit dieser schwierigen Frage konfrontiert werden.

Die Schweizer Form der Widerspruchslösung ist zurückhaltend, weil sie zwar davon ausgeht, dass jede Person eine Spenderin, ein Spender ist. Die Organe werden aber nicht ohne die Zustimmung der Angehörigen entnommen. Nur wenn diese wissen, was der oder die Sterbende will, können sie entlastet werden. Für eine breite und umfassende Information muss der Bund nun an die Arbeit.

So haben die Gemeinden abgestimmt

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