Kommentar
Organspende ja, aber der Wille zählt: Der Gegenvorschlag des Bundesrats ist zu begrüssen

Über 1000 Menschen warten in der Schweiz auf ein Spenderorgan. Dass Massnahmen für mehr Organspenden unternommen werden, sei richtig. Der freie Wille aber dürfe dabei nicht in den Hintergrund geraten.

Nina Fargahi
Nina Fargahi
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Die Initiative «Organspende fördern – Leben retten» möchte, dass jeder automatisch zum Organspender wird, der sich zu Lebzeiten nicht explizit dagegen wehrt. (Symbolbild)

Die Initiative «Organspende fördern – Leben retten» möchte, dass jeder automatisch zum Organspender wird, der sich zu Lebzeiten nicht explizit dagegen wehrt. (Symbolbild)

Leandre Duggan / KEYSTONE

Fast 1500 Menschen brauchen derzeit möglichst schnell ein neues Organ, um weiterleben zu können. Manche werden nicht rechtzeitig die benötigte Lunge oder Leber erhalten. Es ist deshalb richtig, Massnahmen zu ergreifen, um die Bereitschaft zur Organspende zu erhöhen. Das hat die Initiative «Organspende fördern – Leben retten» auch im Sinn, doch sie geht zu weit. Sie sieht vor, dass jeder automatisch zum Organspender wird, der sich zu Lebzeiten nicht explizit dagegen wehrt.

Auf den ersten Blick schlägt die Initiative eine einfache und praktika­ble Lösung vor. Doch die Entnahme von Organen bei Verstorbenen wirft schwierige Fragen auf, die auch abhängig sind vom jeweiligen Weltbild und vor allem Selbstbild einer Person. Wenn sie nun nicht explizit Nein sagt zur Organentnahme – sei dies, weil sie es für (noch) nicht dringlich hält, weil sie es vergisst oder schlicht nicht weiss –, dann besteht die Gefahr, einer toten Person ihre Organe zu entnehmen, ohne dass sie dies zu Lebzeiten gewollt hätte.

Eine Willensäusserung erscheint deshalb geboten. Wenn diese nicht vorliegt bei einem Todesfall, dann dürfen die Angehörigen eine Organentnahme ablehnen. Das sieht der Gegenvorschlag des Bundesrats vor, der zu begrüssen ist. Ebenfalls darin enthalten ist ein nationales Register, in dem sich jede und jeder eintragen kann. Egal, wie man – oder seine Nächsten – sich äussert: Hauptsache, eine Entscheidung wird getroffen.