Kommentar
Hohe Boni für die Chefetage um Gilles Marchand: So verliert die SRG die Unterstützung

Die SRG hat 2020 Kurzarbeit beantragt und ein Defizit geschrieben. Trotzdem ist die Geschäftsleitung nicht zu einem Lohnverzicht bereit, wie ihn die SBB vollzog. Das ist falsch. Die SRG verliert an Rückhalt.

Francesco Benini
Francesco Benini
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Generaldirektor Gilles Marchand hält Boni-Verzicht für unnötig.

Generaldirektor Gilles Marchand hält Boni-Verzicht für unnötig.

KEYSTONE

2020 war ein Annus horribilis für die SRG. Das Jahr wurde überschattet von der Belästigungsaffäre in Genf, die noch immer nicht vollständig aufgearbeitet ist – und die Zweifel am Führungsverhalten von Generaldirektor Gilles Marchand aufkommen liess.

Wegen einbrechender Werbeerträge beantragte die SRG im Coronajahr ausserdem Kurzarbeit für einen Teil ihrer Belegschaft. Dieser Schritt war umstritten. Wurde das Instrument der Kurzarbeit für staatsnahe Betriebe geschaffen, denen hohe Gebührenerträge auch in einer Krise garantiert sind? Das ist zweifelhaft. Trotz Kurzarbeitgeldern schrieb die SRG ein Defizit von 13 Millionen Franken.

Von der Geschäftsleitung darf man in einer solchen Lage erwarten, dass sie auf ihre variable Vergütung ganz oder wenigstens teilweise verzichtet. Die SRG-Chefs hätten damit gezeigt, dass sie um die Privilegierung des eigenen Unternehmens wissen. Und sie hätten ein Zeichen an die Belegschaft und an die Gebührenzahler gesetzt.

Die Mitglieder der SRG-Geschäftsleitung lehnen es aber ab, Abstriche an ihren Bezügen zu machen. Die Reaktionen fallen nun auch bei Politikern negativ aus, die der SRG grundsätzlich gewogen sind. Mit ihrer fehlenden Sensibilität und der Uneinsichtigkeit riskieren die SRG-Spitze und der passive Verwaltungsrat, dass das System öffentlich finanzierter Medien an Rückhalt in der Schweizer Politik und Gesellschaft verliert. Diese SRG hat nichts anderes verdient.