Alpenfestung
Kommandant mit Vorgeschichte

Das Schweizer Fernsehen hat den Hauptakteur des Formats «Alpenfestung» abgezogen, weil es negative Schlagzeilen in der Presse befürchtete.

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Alpenfestung

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Keystone

Oliver Baumann,
Julian Perrenoud

Am 27. Juli wäre Alfred Strahm für drei Wochen als Kommandant von 25 Männern im Rahmen der Dokusoap «Alpenfestung - Leben im Réduit» des Schweizer Fernsehens ins Festungswerk Fürigen bei Stansstad eingerückt. Am späten Dienstagabend jedoch betätigten die Macher des so genannten Living-History-Projekts die Notbremse. In einem dürren Communiqué teilte das Schweizer Fernsehen mit, Alfred Strahm ziehe sich «aus persönlichen Gründen» von seinem Engagement zurück. SF habe den Vertrag mit Strahm «in gegenseitigem Einverständnis» aufgelöst.

Das Schweizer Fernsehen selbst will bis heute zu den genauen Gründen der Vertragsauflösung keine Stellung nehmen. Gegenüber der MZ bestätigte Strahm gestern allerdings, dass sein abrupter Abgang in Verbindung mit einem Gerichtsverfahren steht, in das er vor rund einem Jahr involviert gewesen war: Am 9. April 2008 wurde der in Bützberg im Kanton Bern wohnhafte Strahm in Aarwangen vom Einzelrichter zu einer Geldbusse von 1050 Franken verurteilt. Der Grund: Strahm hatte, so das Gericht, in Zusammenhang mit seiner Leidenschaft - er war langjähriger Vereinsfunktionär bei einer Hornussergesellschaft - Sponsorengelder in der Höhe von 11 500 Franken veruntreut.

DER FALL WURDE ZWAR in der lokalen Presse abgehandelt, sorgte darüber hinaus aber für kein Aufsehen. Als Strahm jedoch am vergangenenWochenende via «Sonntags-Zeitung» und später in der SF-Sendung «Schweiz aktuell» einer breiten Öffentlichkeit als einer der Hauptakteure des Formats «Alpenfestung» vorgestellt wurde, machten offenbar ehemaligen Kollegen der Hornussergesellschaft das Schweizer Fernsehen auf die damalige Verurteilung aufmerksam.

Strahm musste daraufhin beim Schweizer Fernsehen vortraben und schliesslich die Konsequenzen ziehen. Offenbar befürchteten die Verantwortlichen im Leutschenbach, eine Schmierenkampagne der Boulevardpresse, sollte Strahms Vorleben publik werden. Man habe ihm erklärt, dass sich die Boulevardmedien in diesen drei Wochen womöglich wieder auf die Geschichte gestürzt hätten, sagt Strahm. «Das wollte ich nicht, das war es mir nicht wert. Meine Familie sollte nicht auch noch belastet werden. Sie hat ja mit der ganzen Geschichte nichts zu tun.»

Strahm betont aber, dass das Schweizer Fernsehen ihm die Teilnahme nicht explizit verwehrt hatte. «Es wäre möglich gewesen, dass ich in die Festung einziehe.»

DER 58-JÄHRIGE STRAHM wurde aus insgesamt über 800 Kandidaten für den Job des Festungskommandanten des Projekts ausgewählt. SFSprecher Marco Meroni sagt - ohne direkten Bezug zum aktuellen Fall zu nehmen - das Schweizer Fernsehen prüfe Bewerber für Casting-Shows, Doku-Soaps und ähnliche Formate jeweils sehr gewissenhaft. «Wir orientieren die Kandidaten im Rahmen von längeren Gesprächen über mögliche Folgen einer plötzlichen Popularität und machen sie darauf aufmerksam, dass die Medien auch über Ereignisse aus der Vergangenheit der Protagonisten berichten könnten - auch wenn das für den Betroffenen nicht angenehm sei», so Meroni. Ein Engagement für eine Sendung des Schweizer Fernsehens bedinge aber auch eine gegenseitige Vertrauensbasis. Einen Strafregisterauszug verlangt das SF von den Kandidaten jedenfalls nicht. Inwieweit das Schweizer Fernsehen über die Vorgeschichte von Alfred Strahm informiert war, liess Meroni offen.

Strahm selbst sagte der MZ, für ihn sei dieser «Vorfall» beim Casting «längst erledigt» gewesen. Er habe zwar einen Gerichtsfall erwähnt - aber keine Verurteilung. Er habe gedacht, «dass dies nur regional ein Thema» sei. Ein Irrtum, wie sich jetzt herausgestellt hat.

Dass SF nun auf die Schnelle einen Ersatz für Strahm finden muss, löst dort aber keine Nervosität aus, wie Meroni sagt. Bereits würden Gespräche mit potenziellen Kandidaten für das Amt des Kommandanten geführt. Der neue Chef der «Alpenfestung» soll in den nächsten Tagen kommuniziert werden.