Die Fortpflanzungsmedizin beeinflusst die Entstehung neuen Lebens und ist deshalb gerade in christlichen Kreisen besonders umstritten. Die Christlichdemokratische Volkspartei (CVP) zeigt sich in der Abstimmungskampagne offen gegenüber dem medizinischen Fortschritt: Die Partei empfiehlt ein Ja. Das rief den Churer Bischof Vitus Huonder auf den Plan. Er verschickte den CVP-Parlamentariern aus seinem Bistum einen Brief und erinnerte sie gemäss „NZZ am Sonntag“ daran,  «dass es mit dem christlichen Glauben nicht vereinbar» sei, wenn «Menschen über ‹lebenswertes› und ‹lebensunwertes› Leben anderer Menschen» entscheiden. «PID bedeutet in letzter Konsequenz Selektion und Eugenik. Dem sollte man als Christ nicht zustimmen», so Huonder, der die Parlamentarier dazu aufrief, gegen die Parteilinie zu politisieren.

CVP-Politiker streiten sich auf Twitter

Bei den Politikern kommt der Aufruf nicht nur gut an. Während sich der Solothurner Nationalrat Stefan Müller-Altermatt per se um die Parteilinie foutiert und sich gegen die Präimplantationsdiagnostik engagiert, tritt seine Aargauer Parteikollegin Ruth Humbel in der Arena des Schweizer Fernsehens an der Seite von Bundesrat Alain Berset auf, um die Vorlage zu verteidigen. Die beiden lieferten sich in der Folge ein Gefecht auf Twitter, wie der „Tages Anzeiger“ schreibt.

Ist das Embryo absolut schützenswert?

Abgesehen davon, dass die Partei selbst gespalten ist, gibt es auch innerhalb der Kirche keine einheitliche Linie. So hat der Schweizerische Katholische Frauenbund Stimmfreigabe gegeben. In einem Positionspapier schreibt Regula Ott, Beauftragte für Ethik und Gesellschaft des Frauenbunds: „Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die gewählte Position vor allem davon abhängt, ob die jeweiligen Personen von einer absoluten Schutzwürdigkeit ab Zeugung des Embryos ausgehen oder eine Abwägung gegenüber eines untragbaren Leids für die Frau oder das Paar als ethisch vertretbar erachten.“ Das bringt auch die Debatte innerhalb der Partei auf den Punkt.