Erneuerbare Energien
Knatsch um Erneuerbare: Solar- und Windbetreiber sollen für Speicher zahlen

Bürgerliche Parteien machen die Betreiber von erneuerbaren Energien für den Preiszerfall am Strommarkt verantwortlich und verlangen eine Beteiligung an der Finanzierung von Speicherkapazitäten. Die Grünliberalen kontern mit einem eigenen Vorstoss.

Lorenz Honegger
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Energieproduzenten klagen, ihre Pumpspeicherkraftwerke (im Bild: Grimsel 2) seien wegen der Erneuerbaren nicht mehr rentabel.KEYSTONE

Energieproduzenten klagen, ihre Pumpspeicherkraftwerke (im Bild: Grimsel 2) seien wegen der Erneuerbaren nicht mehr rentabel.KEYSTONE

Der Preiszerfall am europäischen Strommarkt setzt den Betreibern von Schweizer Pumpspeicherkraftwerken zu.

Früher konnten sie nachts billige Energie in ihren Seen speichern und tags darauf mit einem ordentlichen Profit wieder verkaufen.

Heute funktioniert dieses Geschäftsmodell nicht mehr: Subventionierte Solar-, Windkraftwerke, aber auch andere erneuerbare Anlagen aus Deutschland überschwemmen den Markt vor allem mittags mit günstigem Strom.

Aus dem Tag-Nacht-Preisunterschied lässt sich kaum noch Profit schlagen. Das ist ein Problem: Denn die Energiewende kann nur gelingen, wenn die Stromhersteller in neue Speicher-Kraftwerke investieren.

Zertifikate für Pumpspeicher

Bürgerliche Parlamentarier wollen nun die Produzenten von «schwankender, nicht steuerbarer Stromproduktion» als Ursprung allen Übels zur Kasse bitten.

Wer etwa mit einem Windkraftwerk unregelmässig Strom ins Netz speist und gleichzeitig Subventionen bezieht, soll sich künftig mit dem Kauf von Zertifikaten an der Finanzierung von Pumpspeicherkraftwerken beteiligen – oder selbst eine dezentrale Speichermöglichkeit bereitstellen, zum Beispiel in Form einer Batterie.

Dieses Modell soll so lange praktiziert werden, bis eine «befriedigende, breit abgestützte und mit der EU abgestimmte Lösung» gefunden sei, schreiben SVP-Nationalrat Hans Killer (AG) und BDP-Ständerat Werner Luginbühl (BE) in zwei gleich lautenden, in der Herbstsession eingereichten Motionen.

Parlamentarier aus der SVP, der FDP, der BDP und der CVP haben die Vorstösse mit unterzeichnet. Nationalrat Killer sagt: «Die Produzenten von Erneuerbaren haben das Problem verursacht. Nun sollen auch sie Verantwortung übernehmen.»

Grünliberale mit Gegenvorstoss

Das Vorpreschen der Bürgerlichen in der Speicherfrage provozierte bereits in der Herbstsession einen Gegenvorstoss der Grünliberalen (GLP).

Nach Ansicht der Mittepartei sollen nicht die Produzenten von erneuerbaren Energien zusätzliche Speicherkapazitäten finanzieren, sondern «Anlagen mit konstanter, nicht steuerbarer Stromproduktion». Gemeint sind in erster Linie Atomkraftwerke.

Die Meiler sind laut der GLP hauptverantwortlich dafür, dass Pumpspeicherkraftwerke nur noch mit Mühe schwarze Zahlen schreiben können: «Atomkraftwerke liefern Bandenstrom, welcher regelmässig Stromleitungen verstopft, obschon die erneuerbaren Energien Einspeisevorrang haben.»

Pikant: Die GLP übernahm Wortlaut und Argumentation aus den Vorstössen Killers und Luginbühls fast vollständig, aber eben mit dem gewichtigen Unterschied, dass in ihrem Fall nicht die Erneuerbaren, sondern die Atomkraftwerke schuld an der Misere sind.

Parteipräsident Martin Bäumle: «Es ist völlig unverständlich, warum die Produzenten von erneuerbaren Energien auf einmal zur Kasse gebeten werden sollen.» Zuerst sollten sich «die Grossen» an den Speicherkapazitäten beteiligen, bevor man «die Kleinstproduzenten» mit neuen Abgaben abwürge.

Das sieht Energiepolitiker und SP-Nationalrat Eric Nussbaumer (BL) sehr ähnlich. «Die Bürgerlichen wollen die Erzeuger von Erneuerbaren willkürlich abstrafen.» Er findet, die ganze Branche solle mithelfen, damit die Speicherkraft wieder kostendeckend betrieben werden könne.