Banken
Klimastreik erteilt Schweizer Finanzinstituten schlechte Noten

Die Organisation Klimastreik Schweiz hat untersucht, wie Schweizer Finanzinstitute auf die Klimakrise reagieren. Mit den Ergebnissen sind die Aktivisten nicht zufrieden.

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Klimaaktivisten gegen Banken: In einem aktuellen Rating von Klimastreik Schweiz schneiden vor allem Grossbanken schlecht ab. (Symbolbild)

Klimaaktivisten gegen Banken: In einem aktuellen Rating von Klimastreik Schweiz schneiden vor allem Grossbanken schlecht ab. (Symbolbild)

Keystone

(wap) Die Schweizer Finanzinstitute seien «nicht auf Kurs, die 1,5 Grad-Celsius-Erderwärmungs-Grenze einzuhalten». Zu diesem Fazit kommt die Organisation Klimastreik Schweiz, nachdem sie 76 Banken und Versicherungen einen Fragebogen geschickt und die 34 Antworten ausgewertet hat. Nur gerade bei fünf Banken beurteilen die Aktivistinnen und Aktivisten deren Anstrengungen zum Schutz des Klimas am Ende als gut, wie Klimaschutz Schweiz am Dienstag in einer Mitteilung schreibt.

«Die Dringlichkeit der Klimakrise wurde von den meisten Finanzinstituten noch nicht genügend erkannt und die daraus abgeleitete Verantwortung wurde noch nicht genügend wahrgenommen», wird Stephanie Wyss von Klimastreik Schweiz in der Mitteilung zitiert. Dies zeigten persönliche Treffen und intensive Mailwechsel mit Finanzinstituten.

Dabei seien die Forderungen von Klimastreik «gut umsetzbar». Das nun präsentierte Rating zeige, dass sich sogar Kantonal- und Privatbanken bereits das Ziel gesetzt hätten, bis im Jahr 2030 mit ihren Produkten keine Treibhausgasemissionen mehr zu verursachen. Allerdings bestehe oft ein Widerspruch von Worten und Taten: «Lediglich zehn Finanzinstitute können sich zum Netto Null Ziel bis 2050 und zum Vorlegen entsprechender Massnahmen bis Ende Jahr bekennen», heisst es in der Mitteilung. Dies stehe im Widerspruch zur öffentlichen Selbstdarstellung, in welcher sich die Finanzinstitute oft als nachhaltig präsentierten.

«Aktuelle Ansätze wie Sustainable Finance greifen zu kurz»

Klimastreik Schweiz besteht deshalb auf staatlichen Eingriffen: «Aktuelle Ansätze wie Sustainable Finance greifen zu kurz», wird Annabelle Ehmann von der Organisation in der Mitteilung zitiert. «Gemeinsam soll sich die Gesellschaft überlegen, wie sie zusammen das Schweizer Finanzsystem klimagerecht gestalten will», fordern die Klimastreikenden.

Die besten Plätze im Rating von Klimastreik Schweiz belegen die Alternative Bank Schweiz und die Freie Gemeinschaftsbank, der Finanzdienstleister Forma Futura sowie die Finanzinstitute Globalance und Oikocredit. Vereinzelt gute Bewertungen gibt es auch für die Basellandschaftliche und die Graubündner Kantonalbank, die Privatbank Rahn + Bodmer sowie die Axa, die Generali und die Migrosbank. Als Schlusslichter des Rankings fungieren Swiss Re, die Zurich Versicherung und die Berner und die Basler Kantonalbank sowie die Grossbank Credit Suisse.

UBS und Postfinance erfüllen kein einziges Kriterium

Mehrere Finanzinstitute hätten die Fragebögen der Aktivisten «nicht oder falsch ausgefüllt», aber eine E-Mail geschrieben, heisst es in der Mitteilung. Zu diesen gehören die zweite Schweizer Grossbank UBS, Postfinance, LGT oder Julius Bär sowie die Kantonalbanken Waadt, Glarus, Luzern, Schaffhausen, Schwyz, St. Gallen und Uri. Bereits im Sommer hatte Klimastreik Schweiz mehrere dieser Banken noch auf einer «schwarzen Liste» genannt. Davor war im März bereits eine erste Version des Klimaverträglichkeits-Rankings veröffentlicht worden.

Die am Dienstag nun vorgestellte Liste soll die bisherigen ersetzen und wurde veröffentlicht, nachdem die betroffenen Institute Gelegenheit hatten, zu den Forderungen von Klimastreik Schweiz Stellung zu nehmen. Nun soll die definitive Liste laut den Aktivistinnen und Aktivisten nur noch bei grösseren Veränderungen bei den Finanzinstituten angepasst werden.