Umfrage

Klima, Gesundheit, EU: Die Schweizer blicken überraschend positiv auf diese Probleme – vier Erkenntnisse

Daumen hoch: Der Grossteil der Bevölkerung steht den grössten Herausforderungen der Schweiz positiv gegenüber. (Im Bild: SVP-Präsident Marco Chiesa)

Daumen hoch: Der Grossteil der Bevölkerung steht den grössten Herausforderungen der Schweiz positiv gegenüber. (Im Bild: SVP-Präsident Marco Chiesa)

In den sieben grössten Herausforderungen, die der Schweiz bevorstehen, sieht ein grosser Teil der Bevölkerung Chancen auf positive Veränderungen. Das zeigt eine repräsentative Umfrage.

Klimakrise, Finanzierung des Gesundheitssystems, Beziehungen zur Europäischen Union: Das sind vor allem mühsame Probleme. Und doch sieht, gemäss einer repräsentativen Umfrage, ein überraschend grosser Teil der Schweizer darin eine Chance auf positive Veränderungen.

67 Prozent der Bevölkerung glauben, dass die sieben grössten Herausforderungen für die Schweiz, wozu auch die Digitalisierung, Wachstum, die Altersvorsorge und die Zuwanderungen gehören, Chancen bieten.

Für das sogenannte «Chancenbarometer» hat Tina Freyburg, Professorin an der Universität St. Gallen in Zusammenarbeit mit der von Abstimmungsumfragen bekanntem Institut gfs.bern 3298 Schweizer befragt. Es soll der Gegenpol sein zum oft zitierten Sorgenbarometer, das die Befürchtungen der Schweizer misst. Die vier wichtigsten Erkenntnisse:

Klimaerwärmung als grösste Chance

Jeder zweite Schweizer glaubt, dass die Klimaerwärmung eine «äusserst grosse Herausforderung» ist. Bei den Unter-35-Jährigen sind es fast zwei Drittel. Zugleich vertreten 28 Prozent die Ansicht, dass die Klimafrage sehr grosse Chancen für positive Veränderungen bereithalte. Das ist der höchste Wert von allen Themen. 12 Prozent sagen hingegen, dass dies überhaupt nicht der Fall sei. Das Volk ist hier stärker gespalten als bei jedem andern abgefragten Thema.

Zwei Wanderer blicken auf den Aletschgletscher im Wallis, der in den letzten Jahren stark zurückgegangen ist.

Zwei Wanderer blicken auf den Aletschgletscher im Wallis, der in den letzten Jahren stark zurückgegangen ist.

Mehr Chancen in der Digitalisierung als Herausforderungen

Es ist das einzige Thema, bei dem mehr Bürger grosse Chancen als Herausforderungen sehen: die Digitalisierung. Ein Fünftel hofft hier auf grose positive Veränderungen, 17 Prozent sehen äusserst grosse Herausforderungen kommen. «Die automatisierte Erledigung mühsamer, repetitiver Arbeiten kann Freiräume schaffen für ein sozialeres Arbeiten miteinander», sagte hierzu ein anonymer, 37-Jähriger aus Baar ZG in der Umfrage.

Städter sehen mehr Chancen als Landbevölkerung

Grossstädter blicken optimistischer auf kontroverse Themen. Rund zehn Prozent Diskrepanz wurden zwischen Stadt und Land gemessen. Der Unterschied geht fast komplett auf zwei Fragen zurück: Die Beziehungen zur Europäischen Union und die Zuwanderung, wo die Landbevölkerung deutlich pessimistischer eingestellt ist als die Stadtbewohner. Nur mit Blick auf das Gesundheitssystem sieht die ländliche Schweiz mehr Chancen als die urbane.

Die Alten sind optimistisch, die Jungen nicht so sehr

Besonders auffällig ist der Unterschied zwischen den Generationen. Über 65-Jährige sehen die Schwierigkeiten, auf die die Schweiz zusteuert, deutlich lockerer als Unter-35-Jährigen. Bei allen Fragen ausser der Zuwanderung liegt der Unterschied zwischen Älteren und Jüngeren bei rund zehn Prozentpunkten. Besonders krass ist die Differenz bei der Altersvorsorge, wo 78 Prozent der Ü65-Jährigen Chancen sehen, aber nur 60 Prozent der Jungen.

Hinter dem Projekt steht die Stiftung Larix Foundation, die von zwei Unternehmern finanziert wird: Jobst Wagner, der den Kunststoffkonzern Rehau führt, und Hansjörg Wyss, der sein Geld einst mit dem Medizinalhersteller Synthes gemacht hatte. Beide betätigen sich seit langem als Mäzene. Das Vermögen von Wagners Familie wurde einst auf 800 Millionen geschätzt, Wyss verfügt über mehr als sechs Milliarden Franken.

Dass das Chancenbarometer ein politisches Ziel hat, verhehlt die Stiftung nicht. In der Medienmitteilung schreibt sie: «Das Chancenbarometer ist eine Aufforderung an die politischen Entscheidungsträger:innen, den grundlegenden Wandel der Rahmenbedingungen anzuerkennen und mutig nach vorne gerichtet zu gestalten.» Politische Debatten sollen sich auf die Diskussion alternativer Lösungsvorschläge konzentrieren.

Wagner, der als Stiftungsratspräsident amtet, ging in einer virtuellen Pressekonferenz auf eine Journalistenfrage noch weiter. «Wir kommen, um der Politik zu helfen, die sich – man muss es so sagen –, etwas leer gelaufen hat», sagte Wagner. Für ihn ein Beispiel dafür: Das «auf sehr dünnem Eis» stehende Rahmenabkommen mit der EU.

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