Naturgewalt

Kleinere Schäden nach Erdbeben – schwere Stösse sind in der Schweiz jederzeit möglich

Das Epizentrum des Erdbebens lag vier Kilometer westlich von Linthal im Kanton Glarus.

Das Epizentrum des Erdbebens lag vier Kilometer westlich von Linthal im Kanton Glarus.

Das Erdbeben von Linthal ist das stärkste im Gebiet der Schweiz seit über zehn Jahren. Das Beben der Stärke 4,6 ist aber ohne grössere Schäden verlaufen. Der Schweizerische Erdbebendienst (SED) registrierte bis am Dienstagmittag über 20 Nachbeben.

Der Glarner Gebäudeversicherung wurden unter anderem Risse in Wänden, eine eingerissene Wasserleitung und ein eingestürztes Kamin gemeldet, wie Hansueli Leisinger, Vorsitzender der GlarnerSach-Geschäftsführung, am Dienstag sagte. Nach ersten Einschätzungen handle es sich aber ausschliesslich um Bagatellfälle.

Nach dem ersten Beben gingen beim Erdbebendienst an der ETH in Zürich zahlreiche Meldungen aus den Kantonen Bern, Aargau, Zürich und Graubünden ein, wie der SED auf der Webseite mitteilte. Die Seite selber wurde von so vielen besorgten Bürgerinnen und Bürgern aufgerufen, dass sie teilweise gar nicht mehr oder nur noch schwer erreichbar war.

Ein Beben wie jenes vom Montag mit einer Magnitude von 4,6 kommt gemäss SED im Gebiet der Schweiz alle paar Jahre vor. Die letzte vergleichbare Erschütterung ereignete sich am im September 2005 im Grenzgebiet bei Vallorcine F. Es wurde vor allem im Wallis stark verspürt.

Wallis hat das höchste Risiko

Erdbeben sind nach Einschätzung von Seismologen auch für die Schweiz eine ernste Gefahr. Im 2015 aktualisierten Gefährdungsmodell bleibt das Wallis die Region mit dem höchsten Risiko, vor Basel, Graubünden, dem St. Galler Rheintal, der Zentralschweiz und der übrigen Schweiz.

Im Schnitt registriert das digitale Messnetz des SED zwei Erdbeben pro Tag. 10 bis 15 pro Jahr haben eine Magnitude von 2,5 oder grösser, sind also stark genug, um von der Bevölkerung verspürt zu werden. Das letzte starke Erdbeben, welches Schäden verursacht hat, ereignete sich 1991 bei Vaz GR mit einer Magnitude von 5.

Längste Staumauer in der Nähe

Das Erdbeben hatte am Montagabend um 21.12 Uhr die Zentralschweiz erschüttert und war nach Angaben des SED in der ganzen Schweiz deutlich spürbar. Das Epizentrum lag vier Kilometer westlich von Linthal GL, das sogenannte Hypozentrum in fünf Kilometer Tiefe.

In der Nähe steht auch das unterirdische Gross-Pumpspeicherkraftwerk Limmern. Die über einen Kilometer lange Staumauer des Muttsees ist auf 2500 Meter über Meer gelegen. Bei der Medienstelle hiess es auf Anfrage, bei einer ersten visuellen Kontrolle seien keine Schäden festgestellt worden. Es werde im Verlaufe des Tages aber noch weitere Abklärungen geben.

21 Nachbeben

Gemäss dem SED muss bei einem Erdbeben dieser Stärke auch in den nächsten Tagen noch mit weiteren Nachbeben gerechnet werden. Dass die Erde noch einmal so heftig oder noch heftiger bebt, sei zwar unwahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen.

Bis am Dienstagmittag registrierte der SED 21 Nachbeben. Das stärkste mit einer Magnitude von 2,9 um 22.57 Uhr war in der Umgebung erneut spürbar.

Erdbeben dieser Stärke kommen nach SED-Angaben in der Schweiz im Durchschnitt alle paar Jahre vor. Das letzte vergleichbare Erdbeben wurde 2005 nahe der Schweizer Grenze in Vallorcine F registriert und war vor allem im Wallis spürbar.

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