Ende Januar stellte die Projektgruppe «Gemeindereform des Kantons Aargau (GeRAG)» die Ergebnisse ihrer Projektarbeit vor. Bei dieser Analyse wurde untersucht, welche Gemeindeorganisationsform für Murgenthal in Zukunft am besten geeignet sein könnte. Eine Fusion mit einer oder mehreren Gemeinden stand dabei an erster Stelle, dicht gefolgt von der aktuellen Form, also der Autonomie (wir berichteten). Im Anschluss an die damalige Präsentation wurde den Teilnehmenden ein Fragebogen zum Thema «Gemeindereform» ausgeteilt. «Die Rücklaufquote war mit mehr als 85 Prozent sehr gut», findet der Murgenthaler Bruno Imfeld, Leiter der lokalen Projektgruppe «Gemeindereform». Die Auswertung zeigt ein leicht anderes Bild als im Januar: Die Autonomie wird nun gegenüber der Fusion bevorzugt.

Mit Dienstleistung zufrieden

Der erste Teil des Fragebogens
befasste sich mit der «Aufgabenerfüllung der Gemeinde». «Dabei kam heraus, dass alle Befragten mit den Dienstleistungen der Gemeinde zufrieden sind», schreibt Imfeld in der Medienmitteilung. Eine grosse Mehrheit (74 Prozent) würde hingegen höhere Steuern und Gebühren nicht akzeptieren und glaube trotzdem, dass in Zukunft neue finanzielle Mittel zur Aufgabenerfüllung nötig seien. Eine kleine Mehrheit
(53 Prozent) glaube, dass in Zukunft genügend Kandidaten für politische Ämter zu finden seien.
Im zweiten Teil des Fragebogens wurden Antworten zum Thema (kantonale) «Gemeindelandschaft stärken» gesucht. Gemäss Imfeld glaubt eine kleine Mehrheit (59 Prozent), dass die Gemeinde nicht genügend Kraft habe, ihre Interessen beim Kanton und anderen Gemeinden durchzusetzen. Ebenfalls eine kleine Mehrheit (56 Prozent) sei der Ansicht, dass die Gemeinde ihre Aufgaben in Zukunft selbstständig erfüllen könne. «Auch eine kleine Mehrheit (57 Prozent) glaubt, dass Murgenthal seine Entwicklung und jene des Kantons nicht selbst fördern kann», schreibt Imfeld.

Autonomie an erster Stelle

Der dritte Teil des Fragekatalogs befasste sich mit der Thematik «Starke Land- und Zentrumsgemeinden bilden». Dazu der Leiter der Projektgruppe: «Dieses spannende Kapitel, das auch emotionale Fragen wie etwa zur Identifikation aufwarf, ergab zusammengefasst, dass 56 Prozent der Befragten dem Zusammenschluss mit andern Gemeinden eher ablehnend und 44 Prozent eher befürwortend gegenüberstehen.» Bei den meisten Fragen sei der Anteil mit den «Eher Ja»- und «Eher Nein»-Antworten gegenüber dem Anteil der reinen «Ja»- und «Nein»-Antworten deutlich höher. «Daraus lässt sich schliessen, dass diese Befragten weitere Informationen und Diskussionen brauchen, um sich für ein klares ‹Ja› oder ein klares ‹Nein› zu entscheiden», glaubt Imfeld.

Rege Diskussion

In der Zusammenfassung habe Gemeindeammann Max Schärer in Würdigung der Analyse der Projektgruppe und der Resultate der Umfrage darauf hingewiesen, dass der Gemeinderat Murgenthal mit dem Gemeinderat Rothrist Kontakt aufnehmen werde. Dabei gehe es darum, informell abzuklären, ob ein gemeinsames Interesses für eine grosse Landgemeinde überhaupt bestehe.
Im Anschluss an die Präsentation sei offen und angeregt über die Thematik diskutiert worden. «Während die einen dafür plädierten, unabhängig zu bleiben, schlossen andere nicht aus, Zusammenschlussmöglichkeiten zu prüfen», fasst Imfeld zusammen. Zeitdruck dafür bestehe allerdings nicht, da Murgenthal zurzeit gut gestellt sei.

«Verschiedentlich wurde auch angeregt, die Zusammenarbeit über die Kantonsgrenzen hinaus allenfalls zu intensivieren», schreibt Imfeld. Und: Das Thema «Gemeindereform» müsse weiterhin auf der politischen Traktandenliste des Gemeinderates bleiben. Zudem sei ein Einbezug der gesamten Bevölkerung zur Meinungsbildung in absehbarer Zukunft mittels einer öffentlichen Informationsveranstaltung in Erwägung zu ziehen, fanden die Teilnehmenden.